Stufen aufs Ohr

Mit Gott im Augenkontakt

Stufen.aufs.Ohr März 2026 Nr. 2 von Hans-Martin Steffe

Im Treppenhaus laufe ich jeden Tag auf das Bild zu und schmunzle.
Am Anfang meiner Zeit als junger Pfarrer in der Gemeinde hat mich ein Künstler gemalt für eine Fastnachtsitzung. Schwungvoll renne ich und tippe einen Handball auf die Erde, ohne auf den Ball zu sehen.
Das brauche ich auch nicht. Den Ball tippen ohne hinzusehen, das kann ein Handballer einfach. Meine Augen sehen auch nicht in die Runde, wo ich den Ball vielleicht hinspielen will. Meine Augen sehen ungewöhnlich steil nach oben. Denn über mir fliegt der Engel des HERRN. Auch der in vollem Schwung in dieselbe Richtung wie ich. Und er zwinkert mir wohlwollend zu. Ich bin als junger Pfarrer zu erkennen. Denn statt eines Sporthemds trage ich einen halblangen Talar mit halblangen Ärmeln, wie ich ihn in voller Länge im Gottesdienst anhabe.

Mit dem Engel des HERRN, mit Gott selbst habe ich Augenkontakt. In dieser Woche vom
3. Sonntag der Passionszeit mit dem Namen Okuli werde ich daran besonders erinnert.
So beginnt in Psalm 25 Vers 15 auf Latein der Vers: „Okuli“ – „Meine Augen“. Eben:
„Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“ Mein Handballergemälde im Treppenhaus trifft diesen Satz vollendet. Es erinnert mich jeden Tag, wenn ich auf das Bild zulaufe. Es ist eine witzige Erinnerung, damit ich immer wieder nach Gott sehe, frage, was er mit mir vorhat, was er mir gegeben hat, wo er mich brauchen will. „Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“ Das ist täglich eine neue Entscheidung. Eine befreiende. Wegschauen von mir und meinem Überfordert-Sein, Wegschauen auch von den scheinbar unüberwindbaren Hindernissen, die Angst machen. Einfach auf Gott und seine Möglichkeiten sehen und seinen Willen für mich, der voller Lust am Leben ist, wie ich als junger Mann beim Handballspielen.

Das Augenzwinkern des Engels des HERRN ist mir auch wichtig. Gott hat ein Auge auf mich. Ich bin ihm wichtig und wertvoll. Dazu fällt mir ein anderes Wort ein aus Psalm 32 Vers 8. Das sagt Gott zu mir und dir auch: „Ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Gott im Auge haben, weil Gott seine Augen auf mich richtet. Mit Gott im Augenkontakt bleiben. Er hat noch etwas mit mir vor. Augenkontakt mit Gottes Wort. Augenkontakt im Gebet. Darauf vertrauen, dass er uns zugesagt hat:
„Ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Auf diese Zusage und Verheißung will ich antworten: „Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“ Und im Augenkontakt mit Gott mich üben.

Mit augenzwinkernden Grüßen
Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

Heute, wenn ihr seine Stimme hört

Stufen.aufs.Ohr März 2026 Nr. 1 von Traudel Krause

Seit einigen Jahren besuche ich Menschen, die neu in unseren Ort gezogen sind. Bei einem Besuch im vergangenen Jahr hat mich schon der Name elektrisiert. Ein mennonitischer Name, und so hatte ich mit der Frau sofort einen Anknüpfungspunkt im Gespräch. Ja, ihr Mann war Mennonit gewesen. Sie erzählte, dass er kurz nach dem Umzug vor wenigen Wochen gestürzt sei und sich so schwere Verletzungen zugezogen hatte, dass er verstorben ist. Die Situation hat mich sehr erbarmt und mir keine Ruhe gelassen. Wie sollte sie in ihrem Alter und gehbehindert zur Kirche oder zu einer kirchlichen Veranstaltung kommen? In mir war ein starkes Drängen, eine Lösung zu finden. Nach einigen Nachforschungen habe ich einen passenden Kreis für sie gefunden und sie beim ersten Mal mit dem Auto abgeholt und dorthin gebracht. Ein Fahrdienst würde das in der Zukunft übernehmen. Langsam konnte sie Kontakte aufbauen.

Vor einer Woche hörte ich im Gottesdienst: Sie ist verstorben. Keine 3 Monate nach meinem ersten Besuch.

Ich war sprachlos. Bei der Trauerfeier war der Predigttext: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. ( Hebräer 3,15)

Wie passend auch für mich. Ich war so dankbar, dass ich nichts auf die lange Bank geschoben habe. Dass ich gehört und gehandelt habe.

Heute, wenn ihr Gottes Stimme hört. Heute, nicht irgendwann. Und Ja, wir hören Gottes Stimme. Ganz sicher hören wir die feine, leise Stimme heraus aus den vielen anderen Stimmen. Herr, ich höre. Ich bin aufnahmebereit. Leite mich.

Und dann steht da noch: „und verstocket eure Herzen nicht.“ Verstocken, ein fremdes Wort. Verstocken, das heißt hart und schwer machen. Wörtlich das Herz beschränken, langweilig machen. „Verstocket eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah.“ Der Hebräerbrief nimmt hier Bezug auf den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Das Volk hatte erlebt, dass Gott Unmögliches möglich machen kann und trotzdem war das Volk unzufrieden und wurde hart, fordernd und verbittert. Verstockt hat also auch damit zu tun, dass ich nicht bereit sein könnte, den Herausforderungen und Hindernissen damit zu begegnen, dass Gott in meinem Leben bisher große Wunder getan hat.

Ich bin hochmotiviert, Gottes Stimme zu hören und heute zu gehorchen.

Ihre und Eure Traudel Krause

Auf dein Wort hin…

Stufen.aufs.Ohr – Ende Februar 26 von Isabel Prinzessin zu Löwenstein

Auf dein Wort hin…

Diese Worte haben mich in der letzten Zeit viel beschäftigt.

Was bedeutet „auf dein Wort hin…? Auf Gottes Wort, auf Jesu Wort hin…

Was löst das bei euch aus?

Ich möchte Euch einladen, sich damit mal auseinanderzusetzen. Es ist total spannend.

 

Ich bin hängengeblieben beim Betrachten der Geschichte vom Sinkenden Petrus.

Die Jünger sind allein im Boot, ein heftiger Sturm kommt auf.

Und da kommt Jesus den Jüngern in ihrer Angst, Lebensnot, auf dem Wasser entgegen. Sie sehen ein Gespenst, sie schreien, aber sogleich redet Er mit ihnen und sagt: Fürchtet euch nicht!

 

Mitten im Sturm, in der existenziellen Angst auch in unserer, wenn Gegenwind, alte Muster auftauchen, ist Er da und sagt:

Seid getrost, ich bin`s; fürchtet euch nicht! Ihr braucht keine Angst zu haben.

 

Petrus, und das kann ich so gut verstehen: braucht einen Beweis, dass es wirklich der HERR ist und sagt: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.

Jesus sagt: Komm und Petrus steigt aus dem Boot und geht Jesus entgegen.

 

Raus aus dem Gewohnten, rein in das Unmögliche. Im Vertrauen. Mutig.

Geht es euch auch so? Mit Jesus im Blick, mit Seinem Wort in meinem Herzen kann ich gehen. Sicher, zielgerichtet, furchtlos.

Und da kommt ein starker Gegenwind.

Als Petrus Jesus aus dem Blick verliert, auf den Wind sieht, beginnt er zu sinken und schreit.

Gerade noch in Sicherheit und Gottvertrauen: ich schaue nur kurz weg, verliere Sein Wort aus meinem Herzen, verliere Sein Angesehen Sein, Ihn aus meinem Blick …. Und schon schwanke ich, (alte) Ängste und Befürchtungen überkommen mich, ich verliere an Halt, Orientierung.

Auch ich darf schreien!!!

Als Petrus schrie, streckte Jesus ihm sogleich die Hand entgegen und hielt ihn fest!

Genau da, mitten im Sturm und in meiner Angst streckt Jesus auch mir die Hand entgegen und hält mich fest.

 

Auf das Wort Jesu hin hat Petrus Vertrauensschritte gewagt – immer wieder – trotz aller Ängste.

Auf Jesu Wort hin.

 

Auf Jesu Wort hin, das es in vielen Situationen durchzubuchstabieren gilt, ist es ein fester Grund, auf dem wir stehen, bestehen, neue Schritte wagen können.

 

(Wie heißt es in Psalm 33,4: Gottes Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss.)

 

Ich wünsche uns die Erfahrung, sich immer wieder auf diesen Boden zu stellen:

Sei getrost.

Ich bin bei dir!

Das wünscht

Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg

kostbarer Friede

Stufen.aufs.Ohr Februar 26 Nr. 3 von Ute Wolf

Anfang und Ende unseres Lebens sind ein spannendes und geheimnisvolles Erleben – nicht voraussehbar, wie es werden wird. Es ist ein Geschehen – für jeden neu, ganz individuell, einmalig – jeder hat da seine eigene Geschichte, sein eigenes Erleben.

 

Eine bewegende Zeit liegt hinter mir – vor 5 Wochen durfte ich meine Mama in ihren letzten Lebenstagen begleiten.

Eine große Herausforderung – wahrzunehmen, wie immer mehr Funktionen zurückgehen, weil der Körper kraftloser und das Leben weniger wird!

Gleichzeitig auch ein ganz kostbares Geschenk, diese letzten Tage miterleben zu dürfen!

Das Geschenk, das ich bei meiner Mama erlebte, lag in dem tiefen Frieden, der von ihr ausging und der auch im Zimmer spürbar war!

Da war kein Auflehnen, keine innere Unruhe zu spüren – es sah aus wie ein „in sich ruhen“ und ein wirkliches versöhnt sein mit dem Leben.

So ein Friede entsteht nicht von heute auf morgen! Dieser Friede hat sich entwickelt aus einer engen Herzensbeziehung mit Jesus. Er ist vermutlich auch durch viele Höhen und Tiefen gegangen und konnte letztendlich im Inneren reifen!

 

Da frage ich mich: wie ist es um meinen Frieden bestellt?

Die Sehnsucht nach Frieden ist groß – das spüre ich auch bei den Menschen um mich herum.

Gott sei Dank darf ich in einem Land leben, in dem gerade kein Krieg herrscht.

Aber bedeutet das schon FRIEDE??

Empfinde ich wirklich Frieden mit den Menschen, von denen ich umgeben bin?

Und was ist mit meinem inneren Frieden? Ist er nicht noch viel wichtiger?

 

In Psalm 34 lese ich: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ – also geht es doch um ein aktives Suchen! Der Friede fällt mir nicht einfach so vor die Füße!

Ich muss mich um ihn bemühen – vielleicht immer wieder neu!

Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz den Weg zum Vater frei gemacht. Durch IHN können wir diese ganz persönliche Herzensbeziehung mit Gott haben.

Das ist „Frieden mit Gott“, der gleichzeitig unser eigenes Herz mit Frieden füllt!

 

Jesus – der Friedefürst – bietet uns diesen Frieden ganz persönlich an: „ICH gebe euch Frieden, den die Welt nicht geben kann!“

Danach möchte ich mich immer wieder neu ausstrecken, wenn ich den Frieden in mir nicht mehr so spüren kann.

 

Ja, dieser Friede Gottes, der meine Vorstellungskraft übersteigt, soll mein Herz und meine Gedanken in Jesus Christus bewahren!

 

Der Friede Gottes sei mit uns allen.

Herzliche Grüße von Ute Wolf

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