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Die Nacht ist vorgedrungen ()

Hans-Martin Steffe, 13. Dezember 2021
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon Andacht

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Die Nacht ist vorgedrungen (Hans-Martin Steffe)

Das beste Weihnachtslied schrieb Jochen Klepper, sagte unser Pfarrer im Konfirmandenunterricht:
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
34 Jahre alt war Jochen Klepper, als er dieses Kirchenlied dichtete. Ein adventliches Weihnachtslied. Adventlich ist der zugrunde liegende Bibeltext zum ersten Advent im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom. Da heißt es im 13. Kapitel:
„Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber ist nahe herbeigekommen:
so lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“
Weihnachtlich sind die Strophen 2 und 3. „Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht.“ und „Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf!“ Die Nacht von Bethlehem wird erinnert. Die Nacht, die zur Sternstunde der Menschheit wurde. „Euch ist heute der Heiland geboren“, verkündigt der Engel in dieser Nacht.
Jochen Klepper lebte mit schweren Nachterfahrungen. Er war in der Diktatur des Nationalsozialismus „ein christlicher Dichter im jüdischen Schicksal“. Er war verheiratet mit einer 13 Jahre älteren jüdischen Witwe mit zwei Töchtern aus erster Ehe. Ich lese in diesem Advent in seinen Tagebüchern. Ab Mitte 1933 steht über jedem Tagebucheintrag ein Bibelvers. Gottes Wort und das Gebet waren für Klepper die Waffen des Lichts in der Auseinandersetzung mit der Finsternis.
Jochen Klepper ging mit seiner Frau Hanni und der jüngeren Tochter Renate in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember in den Tod. Sie hatten sich selbst vergast, bevor es die Nazis tun konnten. Die letzten Worte in Kleppers Tagebuch strahlen eine tiefe Ruhe aus:
„Nachmittags die Verhandlungen auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht in Gottes Hand. Wir gehen heute Nacht in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“
Für mich gehört das adventliche Weihnachtslied zum Kostbarsten. Adventlich geschrieben in Hoffnung auf den wiederkommenden Herrn. Es endet mit den Strophen: „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und Schuld.“ Und: „Gott will im Dunkeln wohnen und hat es doch erhellt.“ Von solchen tröstlichen Worten leben wir.
Ihr und Euer Hans-Martin Steffe

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