Reliphon / Stufen aufs Ohr

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Entscheiden dürfen oder entscheiden müssen? ()

Christine Sommer, 13. September 2021
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon Andacht

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Entscheiden dürfen oder entscheiden müssen?
Kennen Sie Gideon aus dem Buch Richter(Richter 6 ff.)? Gideon lebte in einer schwierigen Zeit. Das Volk Israel litt stark unter Unterdrückung der Midianiter, die die Ernte vernichteten und ihnen alle Nutztiere wegnahmen. Zahlreich wie die Heuschrecken waren diese Feinde und so viele, dass man sie nicht zählen konnte.
Da schrien die Israeliten zum Herrn und Gideon wurde berufen, Kämpfe gegen diese Unterdrücker zu führen. Doch er fühlte sich ungeeignet, seine Sippe sei die Schwächste, er selbst sei auch noch der Jüngste und er bat um ein Zeichen, dass es wirklich der Herr sei, der ihn beruft. Und der Herr gab ihm dieses Zeichen.
Zu einem späteren Zeitpunkt, war er nicht sicher, ob er wirklich in den Kampf ziehen sollte. Wieder bat er Gott um Zeichen: Eine Nacht sollte ein Wollbüschel, das er auf das Dach der Scheune legte, nass sein vor Tau, während das Dach selbst darum herum trocken bleiben sollte. In der nächsten Nacht sollte genau das Gegenteil erfolgen und Tau auf dem Dach sein, jedoch die Wolle trocken bleiben. Und Gott erfüllte ihm die Bitte nach doppelter Bestätigung.
Diese Geschichte weckt in mir immer wieder den Wunsch, dass ich bei Entscheidungen solch klare Wegweiser erhalte. Und es erstaunt mich, dass Gott dieses Verlangen des Gideons erfüllt, ohne ihn für seine Bitten zu rügen.
Ich habe Gott schon öfter um klare Zeichen gebeten, doch leider erhalte ich diese oft nicht. Aber warum will ich diese Zeichen eigentlich? Dahinter steckt wohl, nichts falsch machen zu wollen oder die Verantwortung für die Entscheidung nicht allein tragen zu müssen.
Und auf der anderen Seite will ich natürlich auch entscheiden dürfen. Im Kleinen wie im Großen. Unsere individuellen Freiheiten und Wahlmöglichkeiten sind heute größer als jemals und wer von uns will diese wirklich aufgeben?
Es ist wie bei vielen anderen Eigenschaften von uns Menschen: Wir schwanken ständig zwischen zwei Seiten, hier zwischen „ich will selbst entscheiden“ und „diese Entscheidung will ich nicht alleine treffen“.
Dieser Konflikt wird immer wieder auftreten, aber die Geschichte von Gideon zeigt mir, wie gut Gott uns kennt und dass er Verständnis hat für den Wunsch nach klaren Anweisungen von ihm. Er nimmt uns aber nicht alle Entscheidungen ab. Dafür hat er uns Verstand und ein Gewissen gegeben, die wir einsetzen sollen.
Gott hat uns bewusst so geschaffen, dass wir entscheiden können. In Sirach 15 steht dazu: 14 Er hat im Anfang den Menschen geschaffen und ihm die Wahl gelassen: 15 Wenn du willst, so kannst du die Gebote halten und in rechter Treue tun, was ihm gefällt. 16 Er hat dich vor Feuer und Wasser gestellt: Wähle, was du willst! 17 Der Mensch hat vor sich Leben und Tod; was er wählt, wird ihm gegeben werden. 18 Denn die Weisheit des Herrn ist groß, er ist stark und mächtig und sieht alles: 19 Seine Augen sehen auf die, die ihn fürchten, und er kennt jedes Menschen Werk.
Für mich bedeutet das: Wenn mein erwünschtes Zeichen ausbleibt, so kann ich doch aus meinen Erfahrungen, meiner Beziehung mit Gott einen Maßstab entwickeln, um meine Entscheidung zu treffen. Und er wird mich durch alle Entscheidungen hindurch begleiten.
Herzliche Grüße von Christine Sommer

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