Reliphon / Stufen aufs Ohr

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Mein Lebensgarten ()

Christine Sommer, 18. Juli 2021
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon Andacht

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Als ich vor Jahren einen Garten bekam, der nicht so war, wie es mir gefiel, dachte ich, ich müsse ihn nur einmal umgestalten und dann einfach weiter erhalten. Ich kaufte mir Bücher über Gartengestaltung und schon im ersten Vorwort stand, dass die Idee von einmal anlegen und dann pflegen ein Irrglaube wäre, denn ein Gärtner werde seinen Garten immer wieder verändern.
Und ein Berufsgärtner sagte einmal: Je länger man einen Garten bewirtschaftet, desto mehr zeigt sich die Handschrift des Gärtners im Garten.
Unser Geschmack und unsere Fähigkeiten ändern sich mit der Zeit. Und man lernt seinen Garten mit der Zeit immer besser kennen, weiß an welcher Stelle es geschützte Bereiche gibt, kennt die Bodenbeschaffenheit oder findet den idealen Ruheplatz.
Das Wort Garten hat einen Ursprung in Begrenzung, Einzäunung, d.h. ein Garten ist ein abgegrenzter, ein beschränkter Bereich. Garten ist Sehnsuchtsort, Lebensgrundlage, ein Symbol für Reichtum.
In der Bibel gibt es verschiedene Gärten. Gott ist oft im Garten zu finden, zum Beispiel im Garten Eden, Garten Gethsemane, im Friedhofsgarten begegnet Maria Magdalena dem Gärtner ihrer Seele.
Blühende Gärten sind ein Zeichen für Frieden und Wohlergehen (Jes 32,15-18), vertrocknete und verwüstete dagegen ein Bild für Unheil, Strafe und Tod (Am 4,9; Klgl 2,6).
Gärten neu zu pflanzen, zeigt, dass ein Neuanfang möglich ist (Jes 51,3). Im Hohenlied wird die Geliebte selbst zu einem Garten (Hhld 4,12).
Ich glaube wir können unser Leben mit einem Garten vergleichen. Wir haben einen begrenzten Bereich zur Gestaltung erhalten. Als junger Mensch denken wir, wir müssten alles umkrempeln, veraltete Vorstellungen ausräumen und alles nach unseren Wünschen formen.
Mit der Zeit lernen wir unseren Lebensgarten immer besser kennen. Was liegt mir, was gedeiht gut und für was ist der Boden in meinem Garten nicht so gut geeignet. Manchmal ist es schmerzhaft, wenn ich die Begrenzungen spüre. Ich lerne immer mehr von mir und lasse mich weniger von Zeitgeist oder fremden Meinungen beeinflussen.
Ich bin der Gärtner in meinem Garten. Aber nicht nur ich, sondern Gott wirkt in meinem Lebensgarten. Das könnte ich gar nicht verhindern. Die Frage ist aber, wie ich zu diesem Wirken von Gott stehe.
Mache ich ihn verantwortlich für das Unkraut und die Unwetter oder lade ich ihn bewusst in mein Leben ein und lasse ihn gestalten und mich leiten? Ist das nicht das Paradies: Wie Adam und Eva mit Gott durch meinen Lebensgarten zu wandeln. So will ich Gott einladen in meinen Garten. Er darf ihn gestalten und ich weiß, er lässt mir auch Freiheiten für meine Ideen. Das ist keine Garantie, dass jedes Projekt gelingt, aber ich habe die Zusage, dass er für mich das Unkraut bekämpft und er mir jederzeit zur Seite steht und ich weiß, dass mit ihm mein Garten wesentlich reicher und wohltuender sein wird, als wenn ich versuchen würde, ihn alleine aufzubauen.
Ich wünsche uns, dass die Handschrift Gottes in unserem Lebensgarten sichtbar ist.
Ihre Christine Sommer

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