Reliphon / Stufen aufs Ohr

Neues Angebot: Stufen aufs Ohr. Stufen zum Lauschen.

Mehr lesen? Hier klicken!

 

Fremd sein ()

Damaris FriedrichDamaris Friedrich, 17. Mai 2021
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon Andacht

Tags:

Fremd sein – dazu moderierte ich am Sonntag einen Gottesdienst. Angeregt durch die Jahreslosung: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“ beschäftigten wir uns mit einer Bibelstelle aus Matthäus 25:
„Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Mt 25,35
Fremd sein. Da kommen mir ganz unterschiedliche Sätze in den Sinn:
Etwas kann mir fremd sein.
Jemand kann mir fremd sein.
Ich kann fremd sein.
Ich kann mir fremd sein.
Ich oder jemand kann mir fremd werden.
Kennst du das Gefühl fremd zu sein?
Wenn ich mich fremd fühle ist das Gefühl von Scham nicht weit. Ich werde unsicher.
Ich weiß nicht, wie ich mich zu verhalten habe. Welche Regeln gelten. Ich bin auf der Suche nach meinem Platz, einem Ort wo ich mich sicher fühle, wo andere sind, die mir durch ihren Blick, ihre Geste zeigen, dass ich willkommen bin. Ich suche den Ort, wo ich aufgenommen werde. Ich, so wie ich gerade bin.

Als die Jünger nach Jesu Tod Richtung Emmaus unterwegs waren, da war ihnen sicherlich auch einiges fremd. Vielleicht waren sie sich selbst auch fremd geworden. Sie hatten Jesus vertraut, waren ihm nachgefolgt. Sie hatten vielleicht auch einiges aufgegeben, haben ihr bisheriges Leben verlassen, waren ausgestiegen aus dem was sie kannten. Und dann wurde dieser Jesus gekreuzigt und starb. Weg war er. Das Vertraute weg. Und vielleicht auch das Vertrauen in sich selbst, in dieses Bauchgefühl, das uns leitet. Konnten sie sich selbst noch trauen?
Ich frag mich, was sie alles auf dem Weg nach Emmaus diskutiert und geredet haben. Vielleicht waren sie ja auf dem Weg zurück in das Vertraute -weil ihnen plötzlich alles andere so fremd war?
Unterwegs begegnete ihnen Jesus. Er geht mit ihnen mit. Er hört zu, fragt nach. Er rührt etwas in ihnen an, denn sie zeigen ihre Traurigkeit, machen sich verwundbar.
Dabei wird er ihnen so vertraut, dass sie ihn, den Fremden, zu sich zum Essen einladen.
Er nimmt Platz bei ihnen und sie nehmen Platz am Tisch bei ihm. Er bricht das Brot – so wie es der Hirte tut, der versorgt und Sicherheit gibt – und sie erkennen, wer er ist: Jesus!
Der Fremde wird zum Vertrauten und sie haben ihren Platz an seiner Seite wiedergefunden.
Das wünsche ich auch uns, dass wir da, wo wir fremd sind, von Jesus aufgenommen werden und dass wir die Barmherzigkeit, die uns zuteil wird, auch denen schenken, die fremd sind bei uns und für uns.
Eure Damaris Friedrich

Frühere:Heute:Spätere:
« Macht und OhnmachtKeinAnstöße zum Leben durch den Heiligen Geist »
Powered by Sermon Browser