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Im Moment sein ()

Christine Sommer, 3. Mai 2021
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon Andacht

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Im Moment sein
In den letzten Wochen begegnet mir an verschiedensten Stellen immer wieder der Begriff „im Moment sein“.
„Im Moment sein“ wird als Empfehlung gegen aufkommende Ängste ausgesprochen, als Mittel gegen Stress im Allgemeinen oder zur Bewerbung besonderer Erlebnisse oder Genüsse. Statt Multi-Tasking ist Single-Tasking im Trend.
Ich bin jemand, dem das „im Moment sein“ sehr schwerfällt. Meine Gedanken sind oft mit der Planung der Zukunft oder Erinnerungen an Vergangenes beschäftigt und verhindern dadurch, dass ich ganz im Hier und Jetzt bin. Das bedeutet auch, dass es mir häufig nicht möglich ist, den Moment wirklich auszukosten, denn ein großer Teil meines Bewusstseins ist ja ganz woanders. Ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass Sie zu Hause angekommen sind, aber sich an den Weg nicht mehr wirklich erinnern können, weil Ihre Gedanken auf ganz anderen Wegen unterwegs waren?
Aber ich merke, dass ich mich nach den Gelegenheiten sehne, in denen ich ganz im Moment sein kann. Situationen in denen es mir gelingt, mich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Es fühlt sich an, als dürfte man einen schweren Rucksack für eine zeitlang absetzen. Besonders wertvoll empfinde ich es, wenn ich im Gespräch mit Gott ganz im Moment sein kann.
Ich muss an die Geschichte von Maria und Marta denken (Lukas 10, 38 ff). Marta, die sich Sorgen und Mühen macht, zukunftsorientiert denkt und alles dafür unternimmt, dass die Besucher sich wohl fühlen, dass für sie gesorgt wird. Und Maria, die sich zu den Füßen von Jesus setzt und ihm zuhört. Maria ist im Moment. Und Jesus lobt ihr Verhalten und sagt, sie habe das Bessere gewählt.
Jesus ist immer „im Moment.“ Seine ganze Aufmerksamkeit gilt seinem aktuellen Gesprächspartner und er lässt sich nicht von äußeren Stresseinwirkungen oder Anforderungen ablenken. Wenn Jesus betet, so ist er ganz bei der Sache und zieht sich gegebenenfalls auch einmal zurück, um Störungen aus dem Weg zu gehen. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wirkt er auch immer an seinen übergeordneten Zielen.
In den Gesprächspartnern von Jesus erkenne ich mich gut wieder. Sie treiben die Gedanken um die nahe oder ferne Zukunft und Vergangenheit um. Sätze wie: Was sollen sie essen? Wir haben nichts gefangen! Wir wollen im Himmel vorne dran sein! Schaffe mir Recht! So kann man das doch nicht machen! kommen mir bekannt vor.
Und ich wünschte mir, dass mir dann Jesu Worte aus Lukas 10 einfallen würden:
41 Doch der Herr sagte zu ihr: »Meine liebe Marta, du sorgst dich um so viele Kleinigkeiten! 42 Im Grunde ist doch nur eines wirklich wichtig. Maria hat erkannt, was das ist - und ich werde es ihr nicht nehmen.«
Herzliche Grüße von Christine Sommer

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