Reliphon

Schön singen ()

Hans-Martin Steffe, 26. Januar 2021
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon – schön singen 25.-31.01.2021

„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön“. Ich liebe das Lied von Paul Gerhardt. Das ist mein Lied in der Epiphaniaszeit. Ich singe es beim morgendlichen Joggen. Wir singen es zu zweit zu Beginn unserer Stillen Zeit. Und jetzt in der Corona-Zeit, wo viele Gottesdienste ausfallen, oder wenn sie stattfinden, Gemeindegesang verboten ist, da nutze ich unsere „Geöffnete Kirche“. In meiner Zeit des Kirchendienstes, in Phasen, in denen ich allein mit Gott bin, gehe ich immer mal wieder in den Chorraum unserer Kirche und singe laut. Zurzeit eben:
„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.“
Schön singen heißt nicht perfekt oder kunstvoll singen. Schön ist kein Leistungskriterium zum Benoten. Schön singen, das ist die Freude an der eigenen Stimme entdecken. Schön singen meint, von Herzen singen, die Kehle öffnen und die Seele schwingen lassen. Mit Herz und Mund singen und mit Lust.
Kongenial hat Paul Gerhardt mit seinen Komponisten zusammen gearbeitet. Viele einfachere Melodien hat ihm sein Kantor Johann Crüger geschrieben. Dieses Lied aber: „Du, meine Seele singe“ stammt von Johann Georg Ebeling, Nachfolger von Crüger in der Berliner Nicolaikirche. Diese Melodie ist anspruchsvoller. Sie umfasst eineinhalb Oktaven, beginnt mit dem tiefsten Ton und schwingt sich in die Höhe. Die Melodie zieht nach oben. Sie holt aus der Enge und macht weit.
Du meine Seele, singe??wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge?zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben?hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,?solang ich leben werd.
Himmel und Erde verbindet dieses Lied. Leid und Elend in unserer Welt werden nicht übergangen. Sie werden aber mit Gott in Verbindung gebracht. Darum heißt es:
„Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod“ und „Er ist das Licht der Blinden“ und „Er ist der Fremden Hütte“. Das Lied von Paul Gerhardt ist eine freie Nachdichtung von Psalm 146. Es ist ein Liebeslied für Gott und ein Antidepressivum in schwermütige Zeiten.
Wir leben angesichts von Corona mit vielen Widersprüchen. Wir ahnen, wie gefährdet das Leben ist und wie wenig wir es im Griff haben. Das wusste Paul Gerhardt auch. Er hatte viel Schlimmes erlebt, den 30-jährigen Krieg, Pest, Hunger und frühes Sterben vieler, vieler Menschen. Sehr realistisch spricht sein Lied von der Endlichkeit und Vergänglichkeit unseres Lebens. Dem allen setzt er aber in der letzten Strophe seines Liedes ein JEDOCH entgegen.
Jedoch weil ich gehöre?gen Zion in sein Zelt,
ists billig, dass ich mehre?sein Lob vor aller Welt.
Schalom, seien Sie gegrüßt Ihr Hans-Martin Steffe

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