Reliphon

Alles beginnt mit der Sehnsucht ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 7. Dezember 2020
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon für den 7.12.2020
Alles beginnt mit der Sehnsucht
Auf einer meiner Lieblingsweihnachtskarten beginnt der Text mit einem Satz von Nelly Sachs: „Alles beginnt mit der Sehnsucht.“ Wie wahr!
Sehnsucht – die geheime Triebfeder unseres Lebens. Geheim deshalb, weil die Sehnsucht mich ganz unbewusst antreibt. Sie treibt mich in die Richtung des meist unbewussten Zieles. Ob Jesus deshalb so oft fragt: „Was willst du“?
Was ist eigentlich meine Sehnsucht? Es lohnt sich, darüber nachzudenken.
In einem Zeitschriftenartikel von der Zeitgeistexpertin Kristine Fratz lese ich, dass viele Menschen heute auf der Suche sind nach Gesundheit, Fitness, Unversehrtheit ihres Körpers und seiner Optimierung. Der Zeitgeist ist wie eine Informationsquelle für die geheime Sehnsucht der Menschen. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit, Angenommensein, Liebe, Hoffnung und einem Glauben, der trägt. Es ist die kollektive Sehnsucht unserer Tage. Die Menschen versuchen auf allen Wegen diese Sehnsucht zu stillen und an die „Erfahrbarkeit der ewigen Themen“ heranzukommen.
Kristine Fratz schreibt einen Satz, der mich bewegt: „Die Kirche sitzt auf einem irrsinnig großen Sehnsuchtsschatz, der gehoben werden muss“. Ja, so empfinde ich es . Wir Christen haben einen Schatz, der die Sehnsucht stillen kann. Aber ich will nicht darauf sitzen, ich will mit dazu beitragen, dass dieser Schatz gehoben wird. Ich will mit den Möglichkeiten von Stufen des Lebens und meinen Gaben dazu beitragen, dass die Kirche Heimat werden kann für die kollektive Sehnsucht. Und die Kirche, das sind wir Christen, das sind wir.
Jesus Christus wurde nicht müde zu sagen, dass Gott uns Menschen so liebt, wie wir sind. Das heißt, bedingungslose Annahme. Nicht erst, wenn ich optimal bin, sondern schon hier und jetzt indem wie ich bin, bin ich richtig. Diese Botschaft hat eine riesige Anziehungskraft, denn sonst überall wird uns signalisiert, dass wir optimiert werden müssten.
Den Schatz der Kirche, Jesus Christus, für meine Mitmenschen verstehbar und erlebbar zu machen, zu übersetzen, das treibt mich an. Ich möchte mit einem Gebet schließen:
Gott, du Herr des Lebens,
alles beginnt mit der Sehnsucht. Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, Dich zu suchen.
Und lass sie damit enden, Dich gefunden zu haben.
Amen

Ich wünsche uns eine gesegnete Adventswoche
Eure und Ihre Traudel Krause

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