Reliphon

Aufgerüttelt ()

Damaris FriedrichDamaris Friedrich, 9. November 2020
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Manchmal wird man von einem Wort aus der Bibel überrascht. Manchmal ist es ein Wort, dass einen ermutigt, auf-erbaut, bestätigt oder einfach nur gut tut – so ein Wort wie: Ich bin bei dir, alle Tage...
Manchmal allerdings wird man von einem Wort überrascht, dass einen ins Grübeln bringt. So ging es mir am Freitag, als ich die Tageslosung zur Hand nahm und ein Wort aus Jesaja 45 las: „Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut.“
Ich mache das Licht – da kann ich gut mit, das passt wunderbar zu meinem „Gottesbild“ – der Liebe und Freundlichkeit. Aber der Vers geht noch weiter – ich schaffe die Finsternis. Nicht – ich lasse die Finsternis zu, ich toleriere sie...nein ich schaffe die Finsternis.. Puhhh.
Ich gebe Frieden, sagt Gott – aufatmen, durchatmen, das geht leicht in mein Herz hinein... aber im Gleichen kommt dann: ich schaffe Unheil.
Gott, der Herr macht Licht und Finsternis. Gott, der Herr gibt Frieden und schafft Unheil.

Wie bringe ich das zusammen? Ich höre die Fragen in mir – die Fragen nach dem Leid, nach dem Warum und Wozu, nach der Ungerechtigkeit. Warum Menschen, die sich für andere einsetzen, hingeben, Leid ertragen müssen und andere, die nur an sich selbst denken, leicht durchs Leben gehen dürfen... Und wie schön wäre es da, wenn ich da sagen könnte, dass Gott Frieden gibt und Licht macht.. nur das.
In diesem Vers steht es anders - das ist nicht leicht auszuhalten, nicht leicht zu denken. Der liebende Vater, der sich nach uns sehnt, uns nach Hause lieben möchte – dieser Vater schafft auch die Finsternis und schafft Unheil. Ein „passives“ Zulassen, da könnte ich noch mit, oder ein „Nutzen“ des Unheils für das Gute – auch das geht noch irgendwie.. .aber er macht es, schafft es, da gehört AKTIVITÄT dazu.

Ich kann es nicht lösen, die Spannung nicht auflösen. Und das will ich gar nicht. Auch wenn es doch so einfach wäre. In dieser Spannung stehen und leben wir.
Ich nehme meine Bibel zur Hand und fange an zu lesen – den Kontext anzuschauen, zu wem wurde das gesagt, was war die Situation, in der die Menschen damals lebten. Wie ging es weiter... ich lasse mich ein – auf die Worte der Bibel und auf ein Gespräch mit Gott – mit diesem Gott, der mir auch immer wieder sehr fremd sein kann.
Und ich nehme das 2. Losungswort dieses Tages an meine Seite: „Der Herr richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus“ aus 2. Thess.
Die Liebe Gottes habe ich erfahren – die Tatsache, dass er mich liebt, weil er seinen Sohn für mich und dich gab – und an ihr halte ich fest, während ich darauf warte, dass Christus mir im Gespräch begegnet und mir antwortet – auf seine Weise.
Seien Sie gesegnet! Damaris Friedrich

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