Reliphon

fake news? ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 2. November 2020
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon 2.11.2020 Fake News?
Einer Freundin, die einige Wochen aus Brasilien in Deutschland war, musste ich schreiben: „Es ist ein großer Verzicht, dich nicht besuchen zu können.“ Corona erfordert Verzicht. Verzicht auf Kontakte, Verzicht auf so manches Liebgewordene. Wenn ich freiwillig verzichte, willige ich ein: Ja, so ist die Situation.
Gerade in diesen Wochen, in denen die Zahlen in die Höhe schnellen, würden wir uns gute Nachrichten wünschen. Eine Perspektive. Eine realistische Einschätzung und die Tatsache, dass wir mit der Pandemie leben lernen müssen, hören wir eher nicht so gerne.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass die fortlaufende Lesung zurzeit das Jeremiabuch ist. Mir fällt auf, dass es sich widersprechende Prophetenworte gibt. Jeremia sagt, dass Volk müsse sich dem König von Babylon unterwerfen. Gott weist Jeremia an, sich ein Joch zu bauen und sich auf die Schultern zu legen. Und Gott lässt durch ihn sagen: „hört nicht auf die Propheten, die sagen, ihr werdet nicht untertan sein dem König von Babel – denn sie weissagen Lüge und ich habe sie nicht gesandt.“
Die Lage spitzt sich zu in Kapitel 28. Hananja, ein Prophet, der behauptet alles wird gut, zerbricht das Joch auf Jeremias Schultern und sagt voraus, dass binnen zwei Jahren die Geräte des Tempels und die deportierten Menschen wieder in die Heimat zurückkommen werden.
Wie kommt es zu den falschen Propheten?
Die Könige hielten sich am Hof ihre Berater, ihre Propheten. Ursprünglich sollten sie dem König die Weisung Gottes sagen. Aber – man will es sich ja mit dem König und der führenden Schicht nicht verderben. Und so unterschlägt man die Gerichtspredigt und spricht dem König nach dem Mund. Das Volk wird vertröstet und so wird die Umkehr bei König und Volk verhindert.
In Kapitel 29 wendet sich Jeremia in einem Brief an die nach Babylon Deportierten. Auch sie stehen in der Gefahr, sich durch Träumereien falsche Hoffnungen zu machen. Dagegen wendet sich Jeremia. Er prophezeit, dass sie 70 Jahre in Babel bleiben werden. Gott lässt ihnen sagen, sie sollen sich Häuser bauen, Gärten anlegen. Kurz, sie sollen Familien gründen. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich habe euch wegführen lassen und betet für sie zum Herrn. Denn wenns ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“(Jeremia 29, 5-7)
Über allem steht die Verheißung Gottes, der in allem zum Ziel kommt. Er wird das Volk aus dem Exil in die Heimat bringen.
„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“(Jeremia 29,11)
Ich wünsche uns in dieser Zeit des Verzichts, dass wir lernen unter den vielen Stimmen die Stimme Gottes herauszuhören. Ich grüße Euch in diese Woche hinein
Eure Traudel Krause

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