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Reliphon

TROTZIG ()

Hans-Martin Steffe, 17. Februar 2020
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon – 17.02.2020
TROTZIG – Gedanken zu EG 351 Ist Gott für mich und Römer 8,31

Willkommen beim Reliphon!
„Trotzen können ist Lebenskunst.“ So schreibt Reinhard Deichgräber in seinem wertvollen Büchlein: „Nichts nimmt mir meinen Mut – Paul Gerhardt als Meister christlicher Lebenskunst“. „Trotzen können ist Lebenskunst.“ Das erinnert mich an einen unserer Söhne. Der konnte beides, strahlen vor Lebenslust, unser Sonnenschein. Aber der konnte auch zornig und trotzig sein, unser Zorn-Igel. Ein trotziges Kind. Manchmal ist es zum Schmunzeln. Manchmal einfach nur nervig. Pädagogisch ist es allemal wertvoll, dass Kinder Trotzphasen durchmachen. Das gibt Widerstandskraft und stärkt den eigenen Willen.
„Trotzen können ist Lebenskunst.“ In meinem christlichen Jugendkreis habe ich trotzen nicht kennen gelernt. Wenn ich unserem Prediger heftig widersprochen hatte, ging ich am nächsten Tag reumütig zu ihm und bat ihn um Entschuldigung. Ich traute mich einfach nicht zu widersprechen und schon gar nicht heftig. Damals habe ich noch nicht gewusst, was Reinhard Deichgräber geschrieben hat: „Trotzen können ist Lebenskunst.“
„Trotzen“ ist eine geistliche Haltung. Unter diesem Stichwort zählt Deichgräber das Lied von Paul Gerhardt: „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich.“ Paul Gerhardt hat sich in diesem Lied an einen trotzigen Text des Apostels Paulus gehalten im 8. Kapitel des Römerbriefs. Dort in Vers 31: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ Das Trotzen musste ich lernen. Vorgesetzten widersprechen oder einer Mehrheit.
„Trotzen“ habe ich auch bei Stufen des Lebens gelernt. Der Autorin Waltraud Mäschle habe ich anfangs einige Male widersprochen. Sie ging damit gut um. „Wenn Sie meinen …“ hat sie meist gesagt. Nie: „So kann man das aber nicht sagen.“ Aber trotzen konnte sie auch. Als ich einmal ein eingespieltes Lied kitschig nannte, konterte sie energisch: „Lassen Sie mir meinen Kitsch.“ Gegen jede Vereinnahmung von Stufen des Lebens durch die Kirchenleitung wehrte sie sich.
Bei Paulus und seinem Namensvetter Paul Gerhardt lerne ich, wogegen es sich lohnt zu trotzen. Gegen alles nämlich, was uns klein machen will, schreibt Paulus: „Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen.“ Und mit verwegenem Glauben: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi.“ Paul Gerhardt nimmt das auf und dichtet:
„Die Welt, die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich;
kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich.“
Trotzen können – um der Wahrheit willen – ist allemal eine Lebenskunst.
Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr Hans-Martin Steffe

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