Reliphon

Die Mitte im Labyrinth ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 2. Dezember 2019
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon für den 2.12.2019
Die Mitte im Labyrinth
Während der Vorbereitung für den Kurs „Farbe kommt in dein Leben“ erinnere ich mich an das Labyrinth. Es ist ein altes Menschheitssymbol für den Lebensweg. Immer wieder berührt es mich, weil es einfach stimmt.
Das Labyrinth darf nicht verwechselt werden mit einem Irrweg – so wie wir es heute von sogenannten Mais-Labyrinten kennen. Irrwege sind verwirrend und führen in Sackgassen. Ganz anders beim klassischen Labyrinth wie wir es auch in vielen Kirchen finden. Das vielleicht bekannteste Labyrinth befindet sich in der gotischen Kathedrale von Chartres. Beim Labyrinth gibt es einen Eingang und einen sicheren -wenn auch überraschenden Weg- in die Mitte.
Auf einer Karte fand ich eine gute Beschreibung des Labyrinth-Geschehens: „Durch die Tage den Weg gehen. Oft vor Wänden stehen und nicht weiter wissen. Manchmal das Ziel vor Augen, zum Greifen nahe. Und dann wieder zurückgeworfen wie an den Anfang. Alles scheint umsonst. Dann plötzlich und ganz wie von selbst – die Mitte.“ Soweit das Zitat.
Schon der Weg ist interessant. Es ist tatsächlich so, dass ich an den Wendepunkten fast am Ziel und dann wieder nahezu am Anfang bin. Ich erinnere mich an einen Gang durch das Labyrinth auf der Grimmialm in der Schweiz. Auf dem Weg durch das weiche Gras des Labyrinths fiel mir beim Rückweg eine Blüte auf. Schlagartig war sie wie ein Gruß meines schon längst verstorbenen Vaters.
Ist schon der Weg mit allen Gefühlen und Eindrücken wichtig, so ist es die Erfahrung der Mitte noch viel mehr. Die Mitte ist der Ort der Selbstbegegnung. Leonardo da Vinci meinte, dort müsste ein mannshoher achteckiger Spiegel stehen, in dem ich mich von allen Seiten erkennen kann.
Aber nicht nur äußerlich ist es der Ort der Selbsterkenntnis und der Umkehr. Die entscheidenden Kämpfe, die wir in unserem Leben auszufechten haben, finden in der Mitte statt, in unserem Herzen, dort, wo wir ganz bei uns selbst sind. Dieser Ort der Selbsterkenntnis ist nicht selten zugleich der Ort der Gotteserkenntnis.
Wenn ich an Elia denke, der in der Höhle, in der Mitte von Gott gefragt wird: „Was machst du hier Elia?“ dann ist das so ein Moment. Elia hört es und kann sein Leid, kann sich selbst ausklagen.
In der Mitte können wir sein, aber nicht bleiben. Immer ist es so, dass wir wieder auf den Weg geschickt werden. Gott gibt einen Auftrag. Ich bin gesendet.
Ich wünsche Euch in der Adventszeit einen Weg bis hin zur Krippe. Ich wünsche Euch, dass die Einkehr im Stall, die Zwiesprache mit Jesus solch eine Erfahrung wird, dass wir wie die Hirten loslaufen und sagen können: „Der Heiland ist geboren.“
Seid gegrüßt in den Advent hinein von Eurer Traudel Krause

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