Reliphon

KANTATE – Du meine Seele, singe ()

Hans-Martin Steffe, 20. Mai 2019
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon 20.-26.05.2019 KANTATE – Du meine Seele, singe (Hans-Martin Steffe)

Ich liebe die Lieder von Paul Gerhardt. Und eines ganz besonders: „Du meine Seele, singe“.
Paul Gerhardt hat es dem 146. Psalm nachgedichtet:
Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele.
Ich will den HERRN loben, solange ich lebe
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.
Zu den Worten von Paul Gerhardt hat der Kantor Johann Ebeling eine kongeniale Melodie komponiert. Die beginnt in der Tiefe und führt in die Höhe. Die holt die Seele aus der Tiefe ab und zieht sie nach oben. Singen ist ein Antidepressivum. Beim Singen schleift der Mund das Herz hinterher, habe ich gelesen. „Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön.“ Damit ermuntere ich meine Seele, besonders wenn ich niedergedrückt bin, aber auch prophylaktisch für widrige Zeiten.
„Du meine Seele, singe“ ist ein Liebeslied für Gott. Er ist das beste Teil, das höchste Gut und der schönste Schatz. Das muss besungen werden. Gott muss gelobt werden. Er ist der starke Schöpfer von Himmel und Erde. Er ist unbedingt zuverlässig und hält, was er verspricht. „Gott loben, zieht nach oben“, habe ich in jungen Jahren gehört. Das, was niederdrückt, wirkt von alleine. Dafür sorgen die Nachrichten und meine eigene Neigung zum Sorgen. Für das, was mich aufrichtet, muss ich mich entscheiden. Dafür will ich meine Augen öffnen. Für das Schöne im Wonnemonat Mai, für das frische, kräftige Grün der Wiesen und Bäume und die Farben der Blumen.
Wer Gott lobt, hebt nicht ab. Er verschließt seine Augen nicht vor dem Schlimmen und Schmerzlichen in unserer Welt. Wer Gott lobt, vertraut ihm, dass er sich auf die Seite derer stellt, die im Leben zu kurz kommen. Der Lobpsalm 146 nennt dafür viele Gründe: Gott schafft Recht denen, die Gewalt leiden. Er speist die Hungrigen. Er macht die Blinden sehend. Er richtet auf, die niedergeschlagen sind und behütet Fremdlinge.
Große Worte, wohl wahr. Doch in Jesus hat Gott so gehandelt. Das erzählen die Evangelien. Und uns will er brauchen, dass wir in der Nachfolge Jesu auch so handeln. Wer Gott lobt, darf auch klagen über das Leid in der Welt und im eigenen Leben und um Hilfe zu Gott schreien.
Das Finale, die letzte Strophe des Liedes rührt mich besonders. Angesichts der Vergänglichkeit, dem Nachlassen der Kräfte, dem Welken der Haut und der unübersehbaren Alterungserscheinungen, steht das göttliche „JEDOCH“.
„Jedoch, weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt,
ists billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.“
Dazu will ich Ihnen und mir Mut machen,
Ihr Hans-Martin Steffe

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