Reliphon

Mit Stufen des Lebens in Israel ()

Regine Moning, 4. Februar 2019
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon 4.2.2019
Mit Stufen des Lebens in Israel
Eine Andacht von Regine Moning
Auf der Liste mit dem Wort zum Tag, habe ich mir diesen Tag ausgesucht, an dem wir auch die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Ich bin mit dem Holocaust schon früh in Berührung gekommen. Nach der Flucht aus den ostdeutschen Gebieten, fanden meine Eltern und Großeltern 1945/46 ein neues Zuhause in der Nähe von Bergen – Belsen. Das KZ Bergen Belsen war nur 5 km von unserem Dorf entfernt.
Mit etwa zehn Jahren stand ich das erste Mal an den Hügeln der Massengräber dort. Vor den Gräbern waren einfache Holztafeln angebracht. Darauf stand: 1.000 Tote, 2.5oo Tote, 4.000 Tote, 5.000 Tote usw. usw. Mit 10 Jahren wusste ich schon wie viel 1.000 war. Sehr sehr viel. Als Kinder hatten wir viele Fragen und bekamen wenig Antworten.
Auf der weiterführenden Schule in Bergen hatten wir Lehrerinnen und Lehrer, denen es wichtig war, dass wir jungen Leute uns mit dem Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzten. Wir sollten hinhören und hinschauen, was durch unser Volk geschehen war. Heute weiß ich , dass das eher die Ausnahme war.
Wenn wir heute die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem besuchen, dann tun wir es mit Beklemmung und als Deutsche mit besonderer Betroffenheit. Wir tun es, um die Menschen zu würdigen, die im Holocaust gelitten haben und getötet wurden, in dem wir die Wahrheit der Ereignisse anerkennen. Wir tun es mit dem Wissen, dass auch wir unter gewissen Umständen zu vielem fähig wären. Wir tun es in der Hoffnung, dass sich die Dinge nicht wiederholen und mit dem Willen, dass wir dazu beitragen werden.
Vor einiger Zeit hörte ich ein Gedicht von dem israelischen Lyriker, Erzähler und Dramatiker Jehuda Amichai. Diese Zeilen blieben mir in ihrer Bedeutung sofort haften.
Es heißt: Der Ort, an dem wir recht haben
An dem Ort, an dem wir recht haben,
werden niemals Blumen wachsen
im Frühjahr.
Der Ort, an dem wir recht haben,
ist zertrampelt und hart
wie ein Hof.
Zweifel und Liebe aber
lockern die Welt auf
wie ein Maulwurf, wie ein Pflug.
Und ein Flüstern wird hörbar
an dem Ort, wo das Haus stand,
das zerstört wurde.
Wie viel in dieser Welt ist zertrampelt und hart geworden, nur weil wir meinten, recht zu haben.
Wir grenzen ein und grenzen aus. Wir erniedrigen und entwürdigen Menschen. Bis heute.Der Rechtsruck in Deutschland, Europa und weltweit macht mir Sorgen.
Es ist die Furcht, der die Menschen folgen. Die Furcht, die zuerst dumm und dann böse macht.
Wir können uns entscheiden, einen anderen Weg zu gehen. Wir können fragend, sehend, hörend und liebend bei den Menschen sein. Aber das können wir nicht aus uns selbst. Das liegt uns nicht im Blut.
Im 1. Johannesbrief lese ich: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Gottes Liebe ist größer als unser Herz, das oft unruhig, unbarmherzig und eng mit anderen und uns selbst ist. An Gottes liebendem Herzen findet unser unruhiges Herz seinen Platz.
In seiner Liebe müssen wir nicht recht haben, weil wir bekommen, was wir brauchen.
Da wo wir eng sind, finden wir in Gottes Liebe Barmherzigkeit, Verständnis und Fülle. Gott hat ein weites Herz, an dem alle ihren Platz finden. Und so findet er auch einen Platz in unserem Herzen.
In seiner Liebe können wir Grenzen überwinden
und weitherzig und offen uns selbst und anderen begegnen. Wir sind eingeladen, uns auch heute für diesen Weg zu entscheiden. Den Weg der Liebe.
Gebet: Herr, deine Liebe ist so unendlich groß und weit. Es ist genug für alle da, für dich, für uns selbst und für andere. In dieser Liebe geborgen wollen wir heute unterwegs sein. Sei du nah in allem was wir heute sehen und hören und erleben. Segne unser Miteinander. Amen

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