Reliphon

Das Gebet ist kein Automat und das ist gut so ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 14. Januar 2019
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon 14.1.2019
Das Gebet ist kein Automat und das ist gut so
Da kommt der Vater eines chronisch schwer kranken Kindes zu Jesus und sagt: Ich habe deine Jünger gebeten zu helfen, aber sie konnten es nicht.
Ich empfinde, dass der Vater von mir spricht. Da will ich helfen durch meine Fürbitte und ich empfinde, dass sich nichts bewegt. Ich kann es nicht. Wie oft empfinde ich, dass mein Gebet nicht erhört wurde oder zumindest nicht so, wie ich gebetet hatte.
Die Jünger fragen später: warum konnten wir es nicht?? Und Jesus sagt, das geht nur durch Gebet. Was meint er jetzt? Die Jünger haben doch gebetet.
Ich lese die Geschichte in Mk 9,14-19 nochmal. Der Vater kommt zu Jesus und sagt: Ich bringe dir mein Kind. Ohne Worte sagt er: Mach es gesund.
Aber das Gebet ist kein Automat. Oben die Bitte rein, unten kommt raus, was ich erbeten habe. Die Lebensgeschichten sind viel verflochtener und vielschichtiger, als ich es auf den ersten Blick erkenne. Der Vater erzählt die haarsträubende Leidensgeschichte. Es ist nicht nur die Leidensgeschichte des Sohnes, sondern dieser Schmerz betrifft die ganze Familie und da hat sich über die Jahre das ganze System darauf eingestellt. Da ist einiges zusammengekommen. Der Vater sorgt für das Kind und sorgt sich um das Kind. Seine Fürsorge und seine Angst um den Sohn ketten ihn buchstäblich an den Jungen.
Hier braucht es zuerst die Heilung des Vaters. Erst, wenn er den Sohn loslässt, hinein in die Hand Jesu, kann der Sohn genesen. Und genau so kommt es. Jesus geht zuerst einen Weg mit dem Vater.
Dieser darf in aller Ausführlichkeit erzählen und dann bittet er: „Wenn Du kannst, hilf meinem Sohn!“
Jesus provoziert und treibt auf die Spitze, „Was heißt hier, wenn du kannst … Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt“. Jetzt liegen die Nerven blank und der Vater kann nur noch schreien. Er schreit die ganze Verzweiflung der vergangenen Jahre heraus: “Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ So betet er. Dieser Schrei ist ein Gebet.
Jesus der Seelsorger. ER geht mit diesem Vater einen langen Gebetsweg. Aber nur so kann der Sohn geheilt werden und das geschieht jetzt. Jesus ergreift das Kind und richtet es auf.
Das Gebet ist eben kein Automat und das ist gut so. Die Erfüllung geht meist weit über unsere eng begrenzte Vorstellung hinaus.
So ermutige ich uns, dranzubleiben. Auch und gerade wenn wir den Eindruck haben, dass Gott uns nicht hört. Er hört uns nämlich.
Eure Traudel Krause

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