Reliphon

Ich bin ein Gast auf Erden ()

Hans-Martin Steffe, 26. November 2018
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

RELIPHON – Letzte Woche des Kirchenjahres vom Ewigkeitssonntag 2019
„Ich bin ein Gast auf Erden“ Paul Gerhardt im Evangelischen Gesangbuch 529
Willkommen! Dieses Mal Gedanken zu einem Lied von Paul Gerhardt, passend zum Ende des Kirchenjahres: „Ich bin ein Gast auf Erden“.
„Ist dir das ewige Leben wichtiger geworden, seit du im Ruhestand bist?“ Mit dieser Frage hat mich eine jüngere Mitarbeiterin von Stufen des Lebens überrascht. Ich habe ihr geantwortet: Ewiges Leben über das Hier und Heute hinaus ist mir wichtig, steht aber nicht so im Vordergrund. Anderes wird mir als Pensionär immer deutlicher: Mein Leben hier und heute ist kürzer geworden. Mich bewegt vor allem die Frage: Was ist mir so wichtig, dass ich dafür unbedingt Zeit reservieren möchte? Und: Was soll ich lassen, weil es überflüssig ist.
Dabei bin ich wieder auf das Lied von Paul Gerhardt gestoßen:
Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland.
Im 70. Lebensjahr ist es nicht mehr zu verdrängen: Mein Leben hier und heute ist vorläufig.
Vieles liegt unwiederbringlich hinter mir. Drei Jahrzehnte mit unseren Kindern im Haus. Mein Berufsleben. Vor über drei Jahren habe ich mich davon verabschiedet. Dadurch bin ich aber auch von Verantwortung entpflichtet. Das gibt mehr Raum für das, wofür mein Herz schlägt.
Und es wird mir deutlicher: Meine Lebensdauer ist viel kürzer geworden.
Davon möchte ich mich nicht niederdrücken lassen. Da greife ich gern zu dem vermutlich letzten Lied, das Paul Gerhardt gedichtet hat:
Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland.
In diesem Lied malt er einen Ausblick auf die Ewigkeit, auf das kommende Leben beim Vater im Himmel. Dafür findet er helle, starke Bilder:
Mein Heimat ist dort droben, da aller Engel Schar
den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar
in seinen Händen träget und für und für erhält,
auch alles hebt und leget, wie es ihm wohlgefällt.
Sehnsucht nach der Ewigkeit, nach dem Himmel, in der ungetrübten Gemeinschaft mit Gott, atmet dieses Lied.
Das möchte ich einüben: Loslassen können ohne Weltflucht, aber Zuflucht am Horizont.
Wie Paulus es sehen: „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein.“ Aber so lange mich Gott hier und heute noch brauchen will, möchte ich mich in großer Freiheit engagieren.
Überflüssiges loslassen, ganz da sein bei Gott und denen, zu denen er mich schickt. Für unsere wachsende Enkelschar auch. Noch freier und fröhlicher das sagen, was mir auf dem Herzen liegt, und keine falsche Rücksicht nehmen.
Dazu hat mich Paul Gerhardt mit seinem Lied „Ich bin ein Gast auf Erden“ angeregt.
Ihr Hans-Martin Steffe

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