Reliphon

Staunen, Danken, Vertrauen – drei Perlen christlicher Lebenskunst ()

Hans-Martin Steffe, 1. Oktober 2018
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

gelesen von Traudel Krause:
RELIPHON: Staunen, Danken, Vertrauen – drei Perlen christlicher Lebenskunst
für die erste Oktoberwoche 2018
In den alten Liedern von Paul Gerhardt kann man die christliche Lebenskunst lernen. Seit 12 Jahren wiederhole ich 12 seiner Lieder. Ich habe sie abgeschrieben und auswendig gelernt und den Zeiten des Kirchenjahres zugeordnet. So wiederhole ich sie jedes Jahr, singe sie vor dem Aufstehen im Bett und spreche sie mir innerlich beim Joggen zu. So graben sie sich in mich ein und werden zu einem Schatz in meinem Herzen.
Seit einigen Wochen bin ich mit dem Lied unterwegs:
Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein‘.
Mir hilft dieses Lied, dass ich die christliche Lebenskunst tiefer kennen lerne.
Ich entdecke in diesem Lied drei Perlen: Staunen, Danken und Vertrauen.
Staunen. Worüber staunen Sie? Kommen Sie zum Staunen? Oder kommt das Staunen zu kurz. Sind sie mit den Mühen des Alltags ausgelastet? Nimmt das Planen der Zukunft ihr Denken völlig in Beschlag oder das Sorgen um das Auskommen, um Kinder oder Enkel? Staunen braucht Freiräume. Ein Sonntagsspaziergang vielleicht. Eine gute Lektüre. Aufmerksame Gespräche. Staunen braucht Zeit. Bei mir ist es eben auch die Zeit des Singens und Betens der Lieder von Paul Gerhardt wie eben: Sollt ich meinem Gott nicht singen?
In jeder Strophe dieses Liedes gibt es etwas zum Staunen. Zeilen wie diese:
O du unergründter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist,
ob er sich gleich hoch befleißt, deine Lieb ergründen können?
Staunendes Betrachten und Nachsinnen macht dankbar. Staunen drängt zum Danken und Loben.
Die Lebenskunst der Dankbarkeit vertieft das Vertrauen. Ich muss mich nicht um alles sorgen. Für das Große und Ganze reicht mein Sorgen eh nicht aus. Alles Wesentliche empfange ich. Darüber staunt der Liederdichter, dass der große, heilige, ewige Gott sich um das Wohlergehen von Seele und Leib sorgt. Er dichtet:
Wenn mein Können, mein Vermögen, nichts vermag, nichts helfen kann,
kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen.
Was für eine kraftvolle Sprache! Gott sorgt für mich, auch um Nahrung und Kleidung, wie Jesus das in der Bergpredigt sagt. Oder eben unser Lied:
Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt;
wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält.
Sorgen um mich selbst drängt sich von alleine in mein Herz. Sie müssen aber nicht das letzte Wort behalten. Sorgen kann ich starke Gründe entgegensetzten, eben solche Sätze wie:
Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt,
das ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb und Güt.
Ich möchte mich weiter in der christlichen Lebenskunst üben mit den Liedern von Paul Gerhardt. Vielleicht hilft es Ihnen auch beim Staunen, Danken und Vertrauen.
Ihr Hans-Martin Steffe

Tags:

Earlier: Same day: Later:
« Reichtum, Tod und die gesunde Mitte Kein Hand in Hand…mit wem? »
Powered by Sermon Browser