Reliphon

Die leeren Hände ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 3. September 2018
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Die leeren Hände
Ein Buch – vor Jahren schon gelesen und verinnerlicht, ist mir wieder in die Hände gefallen und hat mich neu mit seiner Thematik erfasst.
Abt Berno wurde als junger Mönch von König Heinrich berufen, das Kloster auf der Insel Reichenau als Abt zu leiten. Gelebt hat Berno nur von 1008 bis 1048, also nur knappe 40 Jahre.
Es war nicht nur so, dass er sich in keiner Weise dazu befähigt fühlte, ein Kloster zu leiten. Er hatte auch keinerlei Vorrausetzungen, um dort erfolgreich arbeiten zu können. Das Kloster war, wie die gesamte Insel ,so verarmt, dass es „augia deserta“ also Wüste genannt wurde.
Widerstrebend und mit dem Gefühl ,absolut leere Hände zu haben, zog er auf die Reichenau.
Dort angekommen, tut er was ihm vor die Füße kommt – im wahrsten Sinne des Wortes. Bisher war er lediglich ein Gelehrter gewesen der die Scholaren unterrichtete. Jetzt war seine erste Tat einen Besen in die Hand zu nehmen, um in der Kirche den schlimmsten Dreck zu entfernen. Als ihm die Armut der Inselbewohner bewusst wird, verpfändet er den wertvollen Fingerring, den König Heinrich ihm geschenkt hatte. Mit dem Geld werden die Hütten der Armen repariert und es wird für genügend Essen gesorgt. Der Hunger des Leibes, so seine Meinung, erstickt sonst den Hunger der Seele nach Gott.
Aber was auch immer er tut, er findet immer seine schlimmsten Gegner in den eigenen Reihen. Einige seiner Mitbrüder wollen sein Scheitern. Es ist nicht nur Opposition, sondern offene Rebellion. Heimliche Briefe mit Verdächtigungen und Anschuldigungen werden an den König und an umliegende Klöster geschrieben.
Wie Abt Berno mit all diesen Dingen umgeht beeindruckt mich.
Welches Problem sich auch zeigt und ihm seine absolute Ohnmacht deutlich macht, er legt das Anliegen in die zur Schale geöffneten Hände Gottes. Im Buch sind es zwar die Hände einer Marien-Statue, aber für mich ist das ein Bild für die Hände Gottes . Für das Herz Gottes.
Die Barmherzigkeit Jesu ist in allen Entscheidungen das, was ihn leitet. So schützt er z.B. den Juden Levi . Ganz anders wie es in seiner Zeit , in der Juden schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt waren, üblich gewesen wäre.
Im Gespräch mit Heinrich, der inzwischen zum Kaiser gekrönt worden war, bringt Abt Berno zum Ausdruck, dass Machtmissbrauch die größte Versuchung ist. Wer Macht im Auftrag Gottes ausübt, seinen Untertanen dienen und ihnen recht begegnen will, muss dienen. Wer erster sein will, ist der Diener aller.
Und da sind wir ganz in der Gegenwart und bei uns. Wir haben alle wie Abt Berno Leitungsaufgaben, haben Macht über andere Menschen und in allem sind wir angewiesen auf die Impulse direkt vom Himmel her, von Jesus selbst. Eine Voraussetzung zum Dienst sind die leeren Hände. Das ist kein Mangel . Sondern das ist nötig, dass Gottes Möglichkeiten zum Zug kommen können.
Ich grüße Euch und Sie in die neue Woche hinein
Eure Traudel Krause

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