Reliphon

Das ABER des Glaubens – Gott loben in der Mitte der Nacht ()

Hans-Martin Steffe, 11. Juni 2018
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon

RELIPHON: Das ABER des Glaubens – Gott loben in der Mitte der Nacht

Ich sehe sie noch immer vor mir und ich höre sie schreien: „Wer holt mich da raus?“ Das war beim Kirchentag in Stuttgart vor fast 20 Jahren. In einer der Veranstaltungen hat uns Waltraud Mäschle eine lebendige Begegnung nahegebracht, mit der Geschichte von Paulus und Silas im Gefängnis in Philippi. Das ging unter die Haut, wie Frau Mäschle hinter einem Gitter kniete, an ihm rüttelte und schrie: „Wer holt mich da raus?“
Ob Paulus und Silas als Gefangene um des Evangeliums willen auch so geschrien oder im Gespräch miteinander so gefragt haben? Ich kenne solche Momente in meinem Leben. Vielleicht war es dann nur ein Schrei in mir oder ein Gebetsschrei. „Wie komme ich da raus?“
Lukas erzählt in Apostelgeschichte 16 nichts von diesem Schreien. Ich kann es mir aber so vorstellen. Lukas erzählt dafür von einem erstaunlichen Moment: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“
Was ist da geschehen? Wie ist es möglich geworden, dass die beiden Boten Jesu, die um des Evangeliums willen im Sicherheitstrakt im Gefängnis inhaftiert waren, die Füße im Block verschlossen, bewegungsunfähig, dass die beiden, Paulus und Silas, Gott gelobt haben?
Das Schlüsselwort heißt ABER. „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“
Wir kennen alle aus eigener Erfahrung den Gebrauch des Wortes ABER. Wer ABER sagt, schränkt meistens das bisher Gesagte ein. Das fängt dann so an: „Was Sie erlebt haben, ist erstaunlich, aber bei uns geht das nicht.“ Das ist das einschränkende oder ausschließende ABER. Das Leben verhindernde ABER, das mir die Freude rauben will. Dann weiß ich, was ich bisher gesagt habe, ist nicht wirklich angekommen.
In der Geschichte aus dem Gefängnis in Philippi geht es um das andere ABER. Es ist das ABER des Glaubens. Im Glauben an den auferstandenen und lebendigen Jesus und im Rechnen mit dem Heiligen Geist, gebe ich der aussichtslosen Situation, in die ich geraten bin, nicht das letzte Wort. Oder wie es in einem alten Choral heißt: „Größer als der Helfer ist die Not ja nicht.“
„Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen“ In ihrem Loben nehmen die beiden vorweg, was dann geschieht. Das Erdbeben, einen Grunderschütterung des so sicher geglaubten Gefängnisses, die Befreiung aller Gefangenen von ihren Fesseln. Das Entsetzen des Gefängniswärters. Der will sich das Leben nehmen.
Und jetzt hören wir wieder das ABER des Lebens: „Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier.“ Wieder das ABER gegen den Tod und die Macht des Bösen.
Die Geschichte geht fantastisch weiter. Der Gefängniswärter entscheidet sich an Jesus zu glauben. Er lässt sich mit seiner ganzen Familie taufen. Alle freuen sich, dass sie zum Glauben an Gott gekommen sind.
Das wünsche ich Ihnen und mir: das ABER des Glaubens einüben. Das Loben Gottes in der Mitte der Nacht.
Ihr Hans-Martin Steffe

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