Reliphon

Weihnachten ist auch ein schlimmes Fest…… ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 19. Dezember 2016
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon für den 19. Dezember2016

Weihnachten ist auch ein schlimmes Fest……

Ich sehe mich noch in einer Runde sitzen mit Waltraud Mäschle. Sie hatte Mütter in die Schule eingeladen zum Thema Weihnachten. Unsere damals einjährige Annelie saß auf meinem Schoß.
„Weihnachten ist auch ein schlimmes Fest, weil die Sehnsucht so groß ist.“, sagte Waltraud Mäschle und dieser Satz hat mir den Vorhang zur Bühne meiner Kindheit geöffnet. Weihnachten ist auch ein schlimmes Fest, weil alle Sehnsucht und alles Verlangen, dass es harmonisch und schön sein soll, aufbricht. Alle Sehnsucht, dass wir berührt werden von dem Ereignis, dass Gott seinen Sohn als Kind zu uns schickt.
In meiner Herkunftsfamilie habe ich als Kind vor Weihnachten gezittert. Der Vater war unberechenbar. Ich erinnere mich, dass er einmal am Mittag des Heiligabends viel Alkohol getrunken hatte. Von mir als ältester Tochter verlangte er dann am Abend, dass ich die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorlese. Wir waren alles andere als eine fromme Familie, aber es fand sich im Haushalt eine Bibel. Mit zitternden Händen habe ich geblättert. Vielleicht war ich 10 Jahre alt. Ich fand die Geschichte und las mit zitterndem Herzen. War er jetzt zufrieden? Oder würde er gleicht lospoltern? Die Skier, die ich mir gewünscht hatte, lagen tatsächlich unter dem Tannenbaum, aber die Freude darüber war überschattet.
Wir alle tragen Erinnerungen mit uns herum. Schöne und schwere. Unsere Geschichte gehört zu uns – auch die Geschichte, die unsere Ahnen an uns weitergegeben haben.
ABER -und das weiß ich inzwischen- Das Kind in der Krippe kann uns heilen. Das Kind in der Krippe – Jesus- kann die Wunden unserer Lebensgeschichte berühren und lädt uns ein, mit diesen Wunden an die Krippe, zu IHM zu kommen. So wie die Hirten vor mehr als 2000 Jahren.
Jochen Klepper dichtete es so:
„Aus 1000 Traurigkeiten zur Krippe gehen wir still. Das Kind der Ewigkeiten uns alle trösten will.“
So feiern wir an Weihnachten die Hoffnung, dass alles ,was in unserer Familiengeschichte schiefgelaufen ist, zurechtgerückt wird. Dass die dunklen Flecken unserer Geschichte und Familiengeheimnisse aufgehellt werden und wir von Gott her einen neuen Anfang machen können.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Fest und dass wir vom Kind in der Krippe berührt und getröstet werden.
Eure Traudel Krause

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