Reliphon

Aus der Hand geben ()

Traudel KrauseTraudel Krause, 6. Dezember 2016
Part of the Reliphon series, preached at a Reliphon service

Reliphon ab 6.Dezember 2016 Aus der Hand geben

Es gibt Momente, in denen wir merken, dass wir uns ganz aus der Hand geben müssen. Wir können den Lauf der Dinge nicht mehr beeinflussen – so sehr wir es auch wollten. Wir müssen UNS aus der Hand geben. Und wie gut, wenn wir uns dann ‚in die Hand Gottes‘ befehlen können.
Es können große, dramatische Anlässe sein – oder wie bei mir in der vergangenen Woche eine schlimme Zahnbehandlung. Im Zahnarztstuhl liegend, unfähig zu sprechen, formierte sich in mir ein unhörbarer Notschrei: „Jesus, ich gebe mich jetzt ganz in deine Hand.“
An den Stellen, an denen wir so auf die Hilfe Gottes angewiesen sind, machen wir die stärksten Erfahrungen seiner Gegenwart.

In der Adventszeit stelle ich mir immer vor, wie es wohl Maria ging. Sie hatte auch keine andere Wahl, als sich ganz aus der Hand zu geben und zu vertrauen, dass Gott sorgt, dass Gott den Überblick hat und es am Ende recht wird.
Ich las in der Süddeutschen Zeitung: “Warum beten nicht vergebens ist“. Heribert Prantl -Mitglied der Chefredaktion in der Süddeutschen Zeitung- beschreibt in diesem Artikel, dass Beten den Beter verändert. „Das Beten -so Heribert Prantl- gibt der Not eine Sprache, es vermeidet die Sprachlosigkeit in existenzieller Lage. Beten heißt: eine Sprache und eine Geste finden für Glück, Unglück und Wünsche. Da gibt es nichts, was man nicht sagen dürfte – bis dahin, dass der Beter seinen Gott schüttelt und anklagt: "Warum hast du mich verlassen?" "

Beten verändert den Beter – zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer. Er konnte Hitler nicht ‚wegbeten`. Aber er konnte aus dem Gebet die Kraft zum Widerstand schöpfen. Darin liegt die Macht des Gebets, dass es etwas macht mit uns Menschen, wenn wir beten. Beten kann heilen und wieder mit dem Lebenswillen verbinden. Theresa von Avila, die vor 500 Jahren geborene Mystikerin, vergleicht die Wirkung des Gebetes mit dem Regen, der den Garten der Seele bewässert.

Das Gebet, das Gespräch mit Gott, laut oder als lautloser Notschrei – es verändert. Es hilft wegzuschauen von mir und meinen Möglichkeiten. Hin auf Gott. Und bei Gott ist nichts unmöglich.

In dieser Woche im Advent will ich uns einladen, immer wieder den Blick auf den Gott zu richten, bei dem nichts unmöglich ist. Mit ihm immer wieder ins Gespräch zu kommen, den Tag über und nicht damit aufzuhören. Damit der Garten unserer Seele bewässert wird und die Samenkörner aufgehen können.
In diesem Sinne wünsche ich uns eine gesegnete Adventswoche
Eure und Ihre Traudel Krause

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