Wenn Du nicht mehr kommen kannst, komme ich zu dir…

Meine Freundin kam jahrelang gerne zu den Kursen in unser Gemeindehaus. Seit 2 Jahren ist sie an ALS erkrankt: zuerst hatte sie Schwierigkeiten beim Sprechen, inzwischen sind die meisten Muskeln in ihrem Körper zurückgegangen und sie kann nur noch über ihr Tablett kommunizieren.

Meine Begeisterung am neuen Kurs “Beten-Atemholen der Seele“ wollte ich gerne mit ihr teilen. So habe ich mich gestern Nachmittag mit meiner Materialkiste auf den Weg gemacht.

Ihr Mann und ich stellen den Wohnzimmertisch aus dem Weg, das blaue Tuch, Jesus  und Marta und Maria zogen ein (Einheit 2, 2.Teil). Es lief erstaunlich gut zu dritt: sie ließ sich voll mitnehmen und hat trotz der Anstrengung, die es für die bedeutet,  sich immer wieder „zu Wort gemeldet“.

Ich dachte: naja Martha ist sie in ihrem früheren Leben gewesen. Jetzt ist sie ja gezwungen, die ganze Zeit zu sitzen oder zu liegen.  Wie sich herausstellte, stimmt das nur halb: auch sie macht sich viele  Gedanken und Sorgen und seht sich danach, von Jesus wahrgenommen zu werden und bei ihm zur Ruhe zu kommen. Mich hat unser Miteinander im Nachhinein noch sehr bewegt, so dass ich den Jesus-Text   „Martha, Marta …“ für sie  umgeschrieben habe:

 

Jesus spricht:

Helma, Helma! Du bist so besorgt und machst dir Gedanken um so vieles.

Helma, ich sehe dich!

Von vielem wirst du umgetrieben.

Ich sehe deine Angst.

Ich nehme wahr, dass ihr euch abmüht um euch auf das nächste Versagen

deines Körpers vorzubereiten.

Ich sehe eure Angst und eure Mühe.

Und:   Ich bin da!

Ich bin da, wenn du nachts wach liest.

Ich bin da, wenn dich die Angst überfällt.

Ich bin bei dir, Helma,

und ich liebe dich mit unendlicher Liebe.

 

P.S.: Ich freue mich auf den Tag, an dem ich in meinem Reich mit dir

singen und tanzen werde!

 

 

im März 2021 von Anne Güngerich