Stille Nacht?

Stille Nacht!
die Nacht war nicht still
sie war voller Geräusche
das Schnauben der Tiere
das Schreien der jungen Mutter
die Grillen draußen im hohen Gras

Der Stall zu Bethlehem
war nicht was sie sich vorgestellt hatten
doch niemand hatte Platz
und in einem Stall war es wenigstens warm
Es war nicht der beste Platz
ein Kind zu bekommen

Stille Nacht
die Nacht war nicht still
Babyschreie durchbrachen die Geräusche
ein gesunder kräftiger Junge
es gab kein Bett in diesem Stall
so legten sie ihn in Windeln gewickelt
in eine Krippe
doch die Stille Nacht wurde eher lauter
eine Gruppe Hirten kam,
füllte den kleinen Stall.

Worte die hin und hergeworfen wurden,
dunkle, alte, junge, kratzige Stimmen.
Kurz darauf wurde es wieder leiser
als die Hirten
in der dunklen Nacht verschwanden.

Doch dann kamen
die nächsten unerwarteten Besucher
hunderte kleine Glöckchen klingelten leise,
bei jedem Schritt, den die Kamele taten.
Fremde Worte, fremde Sprachen, fremde Männer.
Sind wir hier richtig? Hier muss es sein.
Goldene und purpurne Gewänder,
wertvoller Schmuck
der im Licht funkelt wie tausende Sterne
Leuchtende Augen, friedliche Gesichter.
In ihren Händen Geschenke
wertvoller als alles was Maria und Joseph besaßen.
Gold, Weihrauch, Myrrhe

Die stille Nacht war nicht still.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Hanna Noemi Schroth, November 2020