Plötzlich da – Corona…

“Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der HERR hat deine Strafe weggenommen.”
Zefanja 3,14-15

So steht es heute (4.11.2020) in der Tageslosung! Und ich freue mich mit! Nicht weil ich das Gefühl habe, das Gott eine Strafe von mir genommen hat – aber er hat mich diese Runde vor Corona mit all den Umständen, die es mit sich bringt, bewahrt.

Aber von Anfang an..

Nach einem erfüllten Kursleiterschulungstag erhalte ich die Nachricht eines Freundes, dass er positiv getestet wurde. Am Morgen hatte ich noch besten Gewissens den Anmeldezettel des Freizeitheims ausgefüllt: Hatten Sie in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einer positiv getesteten Person? NEIN – in bestem Wissen und Gewissen. Am Abend sah das dann anders aus und konsequenterweise reiste ich ab. Das war sehr schade – mitten in der Schulung – wir waren dabei einzutauchen in die Lebensgeschichte Josefs und uns mit dem Kurs „Alles hat seine Zeit“ zu beschäftigen. Alles hat eben seine Zeit… und meine Zeit war gekommen abzureisen – zum Schutz der anderen und zum Schutz des Freizeitheims.

Es ist nicht alles logisch – den ganzen Tag waren wir zusammen – auf Abstand und mit Maske, haben gelüftet und Hände gewaschen und desinfiziert… und trotzdem heißt es dann, loslassen, zurücklassen und sich zurückziehen.

 

Irgendwie war mir klar, dass dieser Moment kommen kann und eigentlich auch kommen muss – bei den steigenden Fallzahlen.

Zu Hause entschieden wir dann, dass ich mich zurückzog: in einem anderen Zimmer schlafe, mit Mundschutz im Haus bin und wir auf Abstand bleiben. Kein Kuscheln erstmal. Bei den Essenszeiten saß ich nun am Ende des Tisches. Meine beiden Lieben am anderen Ende, nahe der Küche und wenn ich was brauchte wurde es mir gebracht.. wie eine Königin fühlte ich mich, eine Königin mit Mundschutz  – das machte auch irgendwie Spaß – oder wir nahmen es einfach mit Humor und hatten Spaß.

An die Infos zu kommen, ob ich nun in Quarantäne muss, ob ich einen Test machen kann usw. – das war nicht ganz so einfach – aber am Montag erreichte ich jemanden vom Gesundheitsamt und erfuhr, dass dem nicht so ist – Zeit seiner Ansteckung und meines Besuchs lagen weit genug auseinander. Testen lassen konnte ich mich aber – das war mir wichtig, bevor ich wieder rausging und verschiedene Leute treffe – wenn auch auf Abstand.

 

Und so arbeitete ich von zu Hause aus – bis ich dann das Ergebnis bekam: NEGATIV.

Als erstes haben wir gekuschelt – Gesicht zu Gesicht. Das war sehr schön.

Wir haben frohlockt und gejauchzt, uns gefreut und sind dankbar.

Dankbar, dass ich nicht krank wurde und manche der unterschiedlichen Symptome Coronas durchleben musste.

Dankbar, dass wir uns wieder herzen können.

Dankbar, dass ich wieder raus kann und Menschen begegnen kann.

Dankbar, dass ich allen, mit denen ich engen Kontakt hatte schreiben kann: Kein Corona bei mir – keine Ansteckungsgefahr durch mich für dich.

Einfach DANKBAR, dass Gott mich dieses Mal bewahrt hat.

 

Ich habe keine Angst vor Corona. Ich bin mir aber der Schwierigkeit dieses Virus bewusst. Ich bin mir bewusst darüber, dass ich Verantwortung auch für andere trage – nicht nur bei der Ansteckungsgefahr für Corona.

Und deshalb bin ich DANKBAR für alles, was möglich ist – im verantwortlichen Umgang miteinander.

Wenn man diesen abrupten Rückzug erlebt – der bei mir ja so harmlos ablief – dann macht es einen trotzdem noch einmal sensibler und DANKBARER.

 

Mein Freund hat Symptome – und ich bin dankbar für alle, die für ihn und seine Familie beten. Nicht nur für ihn, sondern für alle, die weltweit betroffen sind. Nicht nur für die, die an Covid erkranken, sondern für alle, die darunter leiden – sei es durch das Abgeschieden sein, durch Verzögerungen von Behandlungen, durch die Bedrohung des Arbeitsplatzes… Beten, nicht nur für die, die durch die Pandemie leiden, sondern für alle, die inmitten einer Not stecken.

Treten wir füreinander ein, nehmen wir unsere Verantwortung auf füreinander da zu sein. Lauschen wir auf die Stimme unseres Herrn – so wie es Traudel Krause im Reliphon diese Woche sagt – damit wir SEINE Stimme aus allen Stimmen heraus erkennen können und hören, was für uns dran ist zu beten, zu tun und zu lassen.

 

Und ein Satz – den finde ich sowieso gut – aber jetzt gerade doppelt:

Der erreicht am meisten, der immer auch anders kann, als er vorhatte. (Johannes von Müller)

In diesem Sinne, Damaris Friedrich