Auf der Spur von “Befiehl du deine Wege”

Befiehl du deine Wege – dem Geheimnis des Lied – Gedichts von Paul Gerhardt auf der Spur

Kunstvoll ist dieses vielleicht bekannteste und beliebteste Lied von Paul Gerhardt, nachgedichtet dem fünften Vers von Psalm 37. Der Vers ist aufgeteilt auf die Strophenanfänge. Eine gute Hilfe für das Auswendig lernen.

Christian Bunners, der das neueste Standartwerk von Paul Gerhardt geschrieben hat, betitelt es: Weg – Werk – Wirkung. Darin schreibt er: “Gerhardts Dichtung läßt sich, metaphorisch als Wegdichtung verstehen, er selbst als ein ‘Wanderer im Glauben’, unterwegs zur ewigen Vollendung… Mehrere durchgängige ‘Reiselieder’ hat Gerhardt geschrieben, in denen die Lebenswanderschaft meditiert wird, darunter ‘Befiehl du deine Wege…'”

Wege ist das Leitwort im ersten Block der Strophen 1 bis 4. Persönlich ansprechend dieses Lied: “Befiehl du deine Wege” dem an, der Wege kennt für Wolken, Luft und Winden. Kindliches Vertrauen, einen unglaublichen Glauben an den fürsorgenden Gott äußert sich in Paul Gerhardts Lied. Treue und trauen sind andere Leitworte.

Wer hier seine Wege Gott, der allerwege Wege hat, und seiner allertreusten Pflege befiehlt, der stimmt in die Bitte in den letzten beiden Zeilen der letzten Strophe ein: Lass uns “allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.”

Fast die Hälfte aller Worte der ersten und der letzten beiden Zeilen dieses Liedes sind identisch oder entsprechen sich.

Auf den Wegen des Lebens gibt es Widerstände und Tiefpunkte. Zum Glauben gehört deshalb auch die Aufforderung zum Dagegen – Glauben. Das nimmt der zweite Block in den Strophen 5 bis 8 auf. Glauben ist Lassen und Lassen ist hoch aktiv. Strophe 7: Lassen heißt Loslassen der Sorgen, Fahrenlassen, Abschied nehmen, Gute Nacht geben allem Selbstquälerischem und Selbstzerstörerischem. Und sich Gott ganz überlassen. Die Führung meines Lebens Gott lassen, der im Regimente sitzt. Lassen ist eine Einladung zum Wundern über den wunderbaren Gott.

Befremdlich die nächsten drei Strophen vom dritten Liedblock, den Strophen 9 bis 11. Erfahrung ist aufgenommen. Die Erfahrung, dass uns Gott nicht zuhanden ist, dass wir nicht über ihn verfügen. Es geht um Zeiten gespürter Gottesferne. Der seelsorgerliche Rat Paul Gehardts lautet treu verbleiben, um die Erfahrung zu machen, dass Gott das Herze lösen wird in einem Augenblick, in dem ich nicht damit rechne. Dann wird sich erweisen, dass Gott nie mir zum Bösen gehandelt hat. In der 11. Strophe wird ein Jubel angestimmt, in dem der Himmel aufleuchtet.

Strophe 12 wechselt abrupt vom Zuspruch an das Du zu einem dringenden Bittgebet des Wir. Wir sind noch unterwegs. Wir erleiden noch Not. Manchmal ist es unerträglich und die glaubensstarken Worte fehlen uns. Dann brauchen wir das flehende Bittgebet, in dem dann Zuversicht aufstrahlt.

(Hans – Martin Steffe)