Stabile Wachstumsringe

Wir wissen, dass ein Baum Jahresringe ausbildet. Sie heißen auch Wachstumsringe und es gibt sie in der Natur auch bei Fischknorpeln, Schildkröten und anderen mehrjährigen Pflanzen.

Mir gefällt der Gedanke, dass wir vielleicht auch so etwas wie innere Jahresringe bilden. Wie stark das Holz wächst, hängt von der Versorgungslage ab. Ein Ring setzt sich immer aus einem dunklen und einem hellen Teil zusammen und auch hier ist maßgeblich für die Verteilung, wie der Jahresverlauf ist.

In für den Baum kritischen Zeiten bildet er weniger Holz – also ein in der Menge geringeres Wachstumaber bei unseren einheimischen Nadelhölzern sind diese schmalen Wachstumsringe viel härter und machen den Baum stabiler.

Als Tonholz – also für den Bau von schön klingenden Musikinstrumenten – kann man z.B. nur Holz von Bäumen verwenden, die aufgrund von schwierigen Umständen so langsam wachsen, dass sie nur kleine, harte Wachstumsringe bilden.

Einige Bäume bilden Kernholz, einen farblich viel dunkler abgesetzten inneren Kern im Stamm. Dieses Kernholz – das ist also das älteste Holz im Baum – ist nicht mehr in der Lage Nährstoffe zur Baumkrone zu transportieren, es ist also eigentlich unproduktiv.

Aber dieser Kern ist viel härter als das umgebende jüngere Holz und macht den Baum stabil und in diesem Kernholz werden Gerbstoffe eingelagert, die den Baum gegen Schädlinge resistenter machen.

Es gibt übrigens Baumarten, die immer einen Kern ausbilden und andere bei denen es nur manche Exemplare tun.

Ich glaube, dass wie beim Baum unsere lang zurückliegenden Erfahrungen unseren stabilen Kern bilden können und daß schwierige Zeiten wie die jetzige uns erst dazu befähigen zum Tonholz für andere zu werden.

Vielleicht können wir auch unsere ältere Generation als unser Kernholz sehen. Wirtschaftlich betrachtet scheint der Kern für die Versorgung nicht wesentlich zu sein – aber aus ihm gewinnt die Gesellschaft ihre Stabilität und die Mittel, mit Gefährdungen umzugehen.