Brief einer Kursleiterin an ihre Teilnehmer

Schwabbach, 23.03.2020,

in Zeiten Corona-Krise und Kontakteinschränkungen…

Liebe Kursteilnehmer/innen,

unser „Überrascht von der Freude“ Kurs wurde sehr überraschend für uns alle beendet.
Ich wünsche mir sehr, dass wir die Kursrunde noch gemeinsam fortsetzen können.

In der 3. Kurseinheit hätten wir uns mit der verkrümmten Frau, die von Jesus geheilt wurde, beschäftigt. Wie immer hätten wir versucht herauszufinden, was uns mit dieser Frau verbindet, wie die Geschichte für uns persönlich anwendbar ist. Und da ich plötzlich merke, wie sehr unsere jetzige Situation zu dieser Kurseinheit passt, war es mir ein Bedürfnis, Euch schon jetzt mit hinein zu nehmen und ein wenig vorzugreifen. Die Heilung wird uns von Lukas berichtet. Lukas war Arzt, ihm waren die Heilungsgeschichten besonders wichtig:

Lukas 13, 10-17 (Luther 2017) Die Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat

»10 Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat. 11 Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. 12 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit! 13 Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbattag. 15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Musste dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden? 17 Und als er das sagte, schämten sich alle, die gegen ihn waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen.«

Möchtet Ihr einmal versuchen, Euch genau so zu bewegen, wie diese verkrümmte Frau, mit gebeugtem Rücken? Was nehmt Ihr von Eurer Umwelt wahr, wie geht es Euch damit? Wie fühlt Ihr Euch?

Und dann richtet Euch auf und geht in aufrechtem Gang umher? Was ist jetzt wahrzunehmen? Was seht Ihr?

Die verkrümmte Frau in der Bibel war körperlich verkrümmt. Etwas hat sie so gebeugt, dass sie sich nicht mehr aufrichten konnte. Ihr Lebensbereich wurde dadurch eingeschränkt.

Und genau das erleben wir aktuell auch. Plötzlich gibt es ganz viele Regeln und Empfehlungen, die uns einschränken. Unser Bewegungsrahmen wird immer enger. Wir können die uns gewohnten Freiheiten nicht mehr leben. Wir müssen unsere Kontakte massiv einschränken, viele Aktivitäten, aus denen wir Lebensfreude getankt haben, sind nicht mehr möglich.

Aber es ist die Frage, ob ich mich davon verkrümmen lasse. Was nehme ich wahr? Mein eingeschränktes Sozialleben? Die verpasste Geburtstagsfeier? Angstmachende Nachrichten?

Die Sorge ums Klopapier?!

Oder lasse ich mich trotzdem aufrichten? Sehe ich, wie blau der Himmel (fast) ohne Flugzeuge ist? Sehe ich, dass die Natur trotzdem funktioniert und der Frühling seine besondere Magie entwickelt? Bin ich dankbar für all die technischen Möglichkeiten, das Telefonieren auch mit Videoübertragung, das Internet, Mediatheken, Homeoffice? Bin ich mir bewusst, dass wir in einem der wenigen Staaten leben, die aus wirtschaftlicher und medizinischer Sicht die besten Sicherungen bieten? Kann ich darüber glücklich sein, dass unsere Gesellschaft – ganz anders als im Normalfall – an einem Strang zieht, um persönliches Leid soweit möglich zu verhindern?

Die verkrümmte Frau wird von Jesus aus der Menge der Synagogenbesucher herausgerufen. Das heißt auch, sie muss sich entscheiden, ob sie sich rufen lässt. Die Situation ist für sie möglicherweise unangenehm; das gesamte Vorgehen eckt ja dann auch beim Hüter der Vorschriften an.

Auch wir sind herausgerufen und können uns entscheiden, ob wir dem nachgehen.

Kann ich mit Jesu Hilfe die einengenden Ängste abwerfen?

Kann ich den Panikattacken in Jesu Namen wehren?

Kann ich den Blick heben und die Zukunft in meine Sicht nehmen?

Ich wünsche uns allen, dass wir, wenn es uns eng wird, dem mit Beten und Singen entgegentreten können. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an den „Farben“ Kurs – Farbe kommt in Dein Leben. Wir haben dort viel darüber geredet, was unser Leben farbig, lebendig macht. Lieder, Gespräche, Beobachtung der Natur, und vieles mehr ist immer noch möglich.

Oder macht es wie die Jünger auf dem Boot beim lebensbedrohlichen Sturm: Weckt den Herrn und er kann allen Stürmen gebieten.

Und unser angefangener Kurs verspricht die Freude, die uns überraschen kann, wenn wir in der Bibel lesen. Vielleicht gibt uns unser verordnetes reduziertes Programm die Chance, Zeit für Entdeckungen in der Bibel zu machen.

Habt Ihr noch Euren Vers aus der Bibliothek in der ersten Einheit? Vielleicht gewinnt er gerade jetzt an Bedeutung für Euch.

Ich habe diese Woche etwas gehört, dass mich sehr stark beschäftigt. Eine evangelische Theologin (Johanna Haberer) hat gesagt (aus meinem Gedächtnis wiederholt): Wenn jemand glaubt, so ist das, als wenn derjenige immer in „Futur 2“ spricht und handelt. Also zum Beispiel: „Ich werde gelitten haben. Es wird eine schwere Zeit gewesen sein. Es wird eine große Unsicherheit gegeben haben.“

Wir haben die Gewissheit, dass es am Ende gut werden wird – auch wenn wir aktuell noch in der Krise stecken.

Herzliche Grüße,

bleibt gesund und ich freue mich darauf Euch alle persönlich wiederzusehen.

Eure Christine Sommer

der Brief als PDF-Datei zum Herunterladen: Brief an die Teilnehmer aus der Kontaktsperre