Friedliche Ostern

FRIEDE SEI MIT EUCH! – so grüßte Jesus seine Jünger, als er durch die verschlossene Tür bei ihnen eintrat. Frieden, wo so viel Angst, so viel Unsicherheit, so viel Enttäuschung den Raum bei den Jüngern einnimmt. Aber gerade da hinein tritt Jesus.

Er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite. Das heißt doch wohl: Ihr sollt dadurch Frieden bekommen und euch nicht weiter Vorwürfe machen, weil ihr weggelaufen seid. Ihr braucht euch der Wirklichkeit nicht zu verschließen, dass ihr an eure Grenzen gekommen und schuldig geworden seid. Da, wo euer verwundetes Herz sich verschließt, kann nie Heilung geschehen. Aber, wo ihr einander eure Wunden zeigt, kann zur Sprache kommen, was so verletzt hat oder wo so viel Unverständnis geherrscht hat.

Mir scheint, als würde Jesus sagen. “Schaut meine Wunden an, damit dadurch eure Verwundungen heil werden, denn durch meine Wunden werdet ihr geheilt.” Und heil werden, das wissen wir, geschieht da, wo das Heil der Vergebung in unsere Verlassenheit hinein kommt. So scheint mir, steht das “Friede sei mit dir” als Ergebnis der vergebenden und öffnenden Liebe Jesu, der seine Jünger nicht in der Verlassenheit, Angst und Enttäuschung lässt.

“Da wurden die Jünger froh” lesen wir in Johannes 20. Diese Verwandlung bewegt mich und es fallen mir Augenblicke ein, in denen auch ich froh wurde, weil mir jemand die Hand reichte und damit die Verschlossenheit durchbrach oder die Seite zeigte, die mir die Augen öffnete, mein Gegenüber neu zu sehen, neu zu verstehen. Da kommt neuer Geist in das Miteinander. Der Geist des Verstehens und des Vergebens – der Heilige Geist. Und dieser ist es, der das “Friede sei mit dir” real sein lässt. Nehmen wir es doch einfach real-  heute an Ostern – in dieser Woche  – und sprechen wir es einander zu.

FRIEDE SEI MIT DIR!

(Auszug aus einem Reliphon von Waltraud Mäschle)

(Bild von Karola Onken, Oldenburg)