Weihnachtsgeschichte zum Advent

“Zu jener Zeit ordnete Kaiser Augustus an, dass alle Bewohner des römischen Reiches in Steuerlisten erfasst werden sollten. Es war das erste Mal,  dass so etwas geschah. Damals war Quirinius Statthalter der Provinz Syrien. So zog jeder in die Heimat seiner Vorfahren, um sich dort eintragen zu lassen. Auch Josef machte sich auf den Weg. Von Nazaret in Galiläa ging er nach Bethlehem, das in Judäa liegt. Das ist der Ort, aus dem König David stammte.”

Dies ist ein Teil der alten Weihnachtsgeschichte. Ob Sie diese von Ihrer Kindheit her wohl noch auswendig können? So manches haben wir in diesen Tagen vom Dachboden oder aus dem Keller geholt, damit es aufpoliert wird, wieder neu hergerichtet wird bis zum Heiligen Abend. Ob Sie die Weihnachtsgeschichte wohl schon aus Ihrer Gedächtniskammer hervorgekramt haben? Es reicht ja, wenn Sie sich jeden Tag einen Satz ins Gedächtnis zurückrufen und mit dem durch den Tag gehen. Sonst kann es nicht Weihnachten werden!

In mir ist der Satz: “Da zog Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt”. Es gibt eine Veränderung im Leben von Josef und Maria. Sie zogen hinauf, von Galiläa nach Judäa. Natürlich ist dies eine ganz normale geographische Veränderung. Und doch möchte ich Sie fragen, ob Sie darin auch etwas anderes hören? Alle äußeren Veränderungen erfordern auch innere Veränderungen. Hinaufziehen – wenn ich dies Wort höre, dann meine ich zu hören, dass da Entscheidungen gefallen sind und zu einem Weg werden. Es beginnt etwas, von dem man nicht genau weiß, wo es endet. Aber indem Josef und Maria den Weg hinaufzogen, wussten Sie auch, dass sie die Konsequenzen zu tragen hätten, die dieser Weg ihnen bringt.

Ob Sie das in Ihrem Leben auch schon erlebt haben, dass der schwierigere Teil der ist, bis eine Entscheidung gefallen ist, wir also den ersten Schritt einer Lebensveränderung hinter uns haben? Ich kenne das, diese Angst, das Wenn und Aber, die Schuldverschiebung, die Auseinandersetzung, der Widerstand. Ich kenne aber auch das befreiende Gefühl, wenn die ersten Schritte getan sind. Jeder Schritt auf dem Weg erfordert dann wieder neue Entscheidungen, bis dahin, dass kein Raum in der Herberge ist, dass vielleicht alle um einen herum nicht verstehen, dass hier Neues geboren wird und dass dafür Raum benötigt wird.

Sehen Sie, um Neues zu gebären, brauchen wir diesen Weg von “hier” nach “dort”. Ob in Ihnen etwas anklingt? Ob in Ihnen etwas geboren werden will? Christus selbst? Ob Sie Raum für IHN haben? Passen wir doch auf, damit es nachher nicht heißt: “Sie hatten keinen Raum!”

(Gedanken aus einem Reliphon-Büchle von W. Mäschle)