Bibel lesen zur eigenen Lebensbewältigung

Mit der Frage, ob Sie heute schon Ihre Bibel zur Hand genommen haben, möchten wir Sie in die Gedanken unserer verstorbenen Gründerin Waltraud Mäschle mit hineinnehmen:

Ich möchte Sie einladen, mit mir die ersten zwei Seiten der Bibel einmal aufzuschlagen. Dabei fällt mir ein, das Tausende Schüler nach den Sommerferien ihre neuen Schulbücher in die Hand genommen haben – immerhin werden sie ja ihr Handwerkszeug für das jetzige Schuljahr. Dabei kommt mir der Gedanke, dass für uns Erwachsene die Bibel ein solches Schulbuch sein könnte, in dem wir täglich arbeiten, nachschlagen, unterstreichen und auswendig lernen – nicht für eine Klassenarbeit, nein ganz einfach zu unserer eigenen Lebensbewältigung.

Und wenn ich da so anfange, fällt mir zunächst ein Satz immer wieder auf, der sich durch das erste Kapitel zieht und der lautet: … und Gott sah, dass es gut war”. Gott ist mit dem, was er fertiggestellt hat, zufrieden. Ob wir uns nicht da neu orientieren könnten, dass wir nicht an allem, was zu unserem Leben gehört, herummeckern, sondern einfach die Lebenshaltung übernehmen könnten: “…. und ich sehe, dass es gut war”.

Das geht sicher nicht auf den ersten Blick. Aber vieles, was gar nicht so gut aussieht, könnten wir neu in den Blick bekommen. Liegt nicht darin die Chance, dass unser Leben, wie wir es heute erleben, nicht abgeschlossen ist mit allem Versagen, mit allem Erfolgreichen, sondern dass all unser Tun Bruchstücke sind. All die vielen Bruchstücke wird Gott einmal ansehen und sagen: ..”es ist sehr gut, weil du sie mir in die Hand zurückgibst“. Könnte das heißen, dass alles, was durch die Hand Gottes geht, sei es gut oder böse, den Zuspruch hat, es ist sehr gut? Das macht mich tröstlich.

Unter diesem Gesichtspunkt gilt es, noch einmal die ersten zwei Kapitel der Bibel zu lesen. Nicht um zu sehen, wie kaputt wir schon alles gemacht haben, sondern welch große Verheißung uns darin zugesagt wird.

Da fällt mein Blick vor allem auf Vers 7 im 2. Kapitel. Gott beschäftigt sich mit dem Menschen. “Und er machte den Menschen aus Erde vom Acker“. Erde vom Acker, also nicht Stahl und Eisen. Nein, denn Erde vom Acker lässt sich in der Hand Gottes formen. Ich stelle mir diesen Lehmkloss vor, eigentlich nur Dreck. Aber es ist nicht nur Dreck, sondern Erde vom Acker, den Gott in der Hand hält und formt, denn selbst die Erde ist von ihm Geschaffenes. Er formt aus seinem Geschaffenen den Menschen. Ach, wie zärtlich geht Gott mit  dem um, das zu ihm gehört. Er streicht nicht nur zärtlich über das, was er in Händen hält; nein er gibt ihm auch den Siegel, seinen Kuss.

In unserem Text heißt es, er blies ihm den Odem, das Leben, ein. Wie wichtig wir Menschen Gott sein müssen, wie liebevoll er mit uns umgeht. Und indem ich mir das so durchs Herz gehen lasse, merke ich, dass Gott uns immer wieder – auch heute – einlädt, uns doch seiner Hand anzuvertrauen, damit er seine Gedanken des Friedens und der Liebe in uns hineinatmet, dann wird alles heil und sehr gut sein.