Lobe den Herrn, meine Seele

Lesen Sie doch bitte Psalm 103 Vers 1 – 5:

Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilt alle deine Krankheiten, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Lobe den Herrn, das ist die eine Seite, die andere: und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Sie gehören zusammen – meine Seele und alles was in mir drin ist. Das heißt Herz und Lunge, Leber und Nieren. Lobe den Herrn, meine Seele, das ist die eine Seite – und die andere: und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Auch das gehört zusammen – loben und erinnern. An welches “gut” soll ich nun alles was in mir ist erinnern? Wen soll ich nicht vergessen? Der dir alle deine Sünden vergibt, das ist die eine Seite – und die andere: und heilt alle deine Krankheiten. So dicht, ganz nah gehören Heilung und Vergebung zusammen. Wie die beiden Seiten einer Münze.

Der Seelenzustand des zum Frieden gekommenen Sünders, sollte der nicht tatsächlich eine Wesensänderung all seiner lebendigen Zellen schaffen? Lobe den Herrn, meine Seele. Pass auf, meine Seele, vielleicht ist es um dich geschehen, wenn dir mitten im Lob die Fortsetzung des Psalmtextes widerfährt, wenn du IHM begegnest, der deinen Mund wieder fröhlich macht. Du erinnerst dich, das ist die eine Seite.

Und die andere? Und du wieder jung wirst wie ein Adler. Hör gut zu, liebe Seele, es ist nicht unmöglich, dass sich deine Jugend erneuert, wie die des Adlers. Lach mich nicht aus, liebe Seele. Ich weiß, das ist Martin Luthers schönster Übersetzungsfahler: der deinen Mund fröhlich macht.

Aber sei ehrlich, das ist nur das anschauliche Bild dessen, was der Urtext meint, nämlich: der mit Gutem sättigt dein Dasein. Deshalb, liebe Körperzellen, deshalb werdet ihr gewiss noch viel zu lachen haben. Denn was euch satt macht ist der Schöpfer selbst.

(Auszug aus Reliphon von Waltraud Mäschle)

(Beitragsbild von Karola Onken, Oldenburg)