Seelsorge bei Stufen des Lebens

Diakonin Magdalene Fuhr ist Multiplikatorin für Stufen des Lebens in Württemberg und Geistliche Begleiterin. Sie schreibt über Seelsorge bei Stufen des Lebens:

Die seelsorgerliche Begleitung ist von Anfang an ein Anliegen von Stufen des Lebens. In den Kursmappen wird darauf hingewiesen: „Durch das offene Gespräch im Kurs über die Praxis des Lebens und Glaubens brechen persönliche Fragen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf. Der Boden für eine seelsorgerliche Begegnung wird so bereitet. Auf der Ebene der Bilder- und Symbolsprache des jeweiligen Kurses kann bei einem „zufälligen“ Zusammentreffen ein Gespräch begonnen und im Rahmen eines verabredeten Termins vertieft werden.“

Heilsame Geschichten

Doch nicht nur bei einem persönlichen Gespräch findet Seelsorge statt, sondern auch im Kursgeschehen selbst. Das Herausstellen von seelsorgerlichen Aspekten in den biblischen Geschichten ist ein Grundmerkmal der Glaubenskurse von Stufen des Lebens. Gottes bedingungsloses JA zu uns Menschen, sein „Du Mensch, du bist sehr gut, gewollt, geliebt, angesehen“ zieht sich als seelsorgerliche Linie durch alle Kurse. Auf diesem grundlegenden Angenommensein von Gott können Menschen sich öffnen. Sie erleben die biblischen Geschichten als heilende Geschichten, weil sie darin ihrer eigenen Lebensgeschichte mit allen Verletzungen und Verhärtungen heilsam begegnen. Manchmal genügt ein Wort, das die Seele berührt und in der Tiefe etwas löst und in Bewegung setzt.

Diese Zusammenschau der eigenen Lebensgeschichte mit Gottes Geschichte nennt der Theologe Rudolf Bohren Seelsorge:“Seelsorge heißt, einen einzelnen Menschen und seine Geschichte sehen in einem Zusammenhang mit der Geschichte Gottes“. Dies geschieht bei Stufen des Lebens.

Gemeinschaft

Auch der behutsame Umgang miteinander als Gruppe ist wesentlich bei Stufen des Lebens. Das Hören aufeinander, die gegenseitige Wahrnehmung, die Achtung vor der je eigenen Lebens- und Glaubensgeschichte, der geschwisterliche Dialog und das persönliche Mitteilen lassen eine seelsorgerliche Gemeinschaft entstehen. Da ist Raum für spontane Assoziation. Aber auch Ermutigung und Hinterfragen gehören dazu sowie ein Perspektivenwechsel und eine urteilsfreie Haltung.

Begleitung

Die Teilnehmenden in den Kursen werden ermutigt, an aufbrechenden Glaubensfragen und Lebens-themen dranzubleiben und sie in einer weiterführenden seelsorgerlichen Begleitung anzuschauen und zu vertiefen. Dabei müssen die Kursleitenden und die Mitarbeitenden die Fähigkeiten und Grenzen der eigenen seelsorgerlichen Kompetenz einschätzen und auf Seelsorgerinnen und Seel-sorger in der Kirchengemeinde oder in Seelsorgehäuser hinweisen können.

Die eigene seelsorgerliche Kompetenz wird dadurch gefördert, dass Kursleitende immer zuerst Teilnehmende sind. Auch sie stellen sich ihrer eigenen Geschichte, lassen sich berühren und begleiten. Sie gehen selbst einen seelsorgerlichen Weg. Dies ist die Voraussetzung für einen guten Seelsorger und eine erfahrene Seelsorgerin.