Osterbotschaft

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

So begrüßen sich Christen da und dort, und so möchte ich Sie heute begrüßen. Gleichzeitig möchte ich Sie fragen, ob das Wissen um die Auferstehung in den Ostertagen in Ihrem Leben etwas verändert hat? Ich will mich selber auch dieser Frage stellen. Und wenn ich ehrlich bin, dann muss ich nein sagen, augenscheinlich nicht. Aber ich spüre doch eine Veränderung in mir, es ist nicht wie vor Ostern. Ich kann nicht so tun, als ob die Botschaft von der Trauer der Frauen unter dem Kreuz oder die Botschaft vom leeren Grab, oder die Botschaft von den Jüngern, die unterwegs waren nach Emmaus – als ob das alles mich nichts angehen würde. Das alles habe ich in den Ostertagen bemerkt, dass es mich sehr wohl etwas angeht.

Was sind meine Ohnmachtserfahrungen, die ich mitten in meinem Alltag erlebe? Dass ich es zulassen muss, dass mir Liebgewordenes aus den Händen genommen wird. Oder die Hilflosigkeit, der Schrei “der Stein muss weg”, die Belastungen unter denen ich in vielem begraben bin, müssen weg. Der Stein muss weg – und auf einmal ist er weg – das Grab ist leer, sinnlos. Solange der Stein darauf lag, gab es etwas, gegen das ich angehen konnte, so wie die Frauen. Und jetzt? – Nur eine Botschaft! Damals: Er wird euch begegnen. Und heute? Er wird MIR begegnen, damit das Leben, mein Leben nicht im Grab bleibt, in der Enttäuschung, in der Kälte. Er wird mir begegnen, aber dazu muss ich einen Schritt tun, heraus aus dem Grab, vielleicht zunächst nach Emmaus wie die Jünger. Während sie sich gegenseitig ihre Enttäuschung erzählen, sie aussprechen, wird daraus auf einmal ein Hinhören auf die Botschaft.

Aber was geht mich das denn an, jetzt, in diesen Tagen? Sehr viel geht es mich an, spüre ich. Im Hinhören auf den Auferstandenen weiß ich, dass mir Hoffnung geschenkt wird – ausreichend für den Weg zurück nach Jerusalem. Nach Jerusalem, dem Tatort, wo Tod und Auferstehung so dicht beieinander liegen. Auf einmal weiß ich, dass es zum einen um den Stein geht, der weg muss, und zum anderen um das Hören der Botschaft, die in mir Hoffnung weckt. Er will mir begegnen und so bin ich weiterhin unterwegs mit meiner Ohnmacht, aber gestärkt durch seine Vollmacht. Halleluja!

(Auszug aus Reliphon von W. Mäschle 1994)