Weg und Straßenkehrer

der Weg & der Straßenkehrer

wenn Jesus der Weg ist, so hörte ich es eines Abends in Indien, als das Licht schon aus war im Kinderheim, aber einige redeten noch, die älteren Jungs, die Sechzehnjährigen:“Wenn Jesus der Weg ist,“ sagte einer, es war Mutu,“ dann würde ich doch am allerliebsten Straßenkehrer werden“. Dabei wollten sie doch alle Arzt werden oder Lehrer oder wenigstens Pastor,dachte ich und sah sie trotzdem irgendwie nicken im Dunkeln.

„Dann doch am allerliebsten Straßenkehrer, wisst ihr“, so flüsterte Mutu, „mich darum kümmern, wenn sie Müll wegschmeißen…“ Und so träumte er weiter in der Nacht von dieser neuen Lebensberufung _ Straßenkehrer. Wie er den ein oder anderen verlorenen Groschen fand auf diesem Weg und auch ein verlorenes Schaf, mehr als eins sogar. Und als der Traum so weit ging, dass er ein verlorenes Kind fand, da merkte er: das bist ja Du; das war ja wirklich dein Weg, dein Weg nach Hause.

Und am Morgen war der Traum noch nicht vorbei und sie diskutierten weiter: die Blumen, die zwischen den Steinen wachsen, diese trotzigen Blumen, die würde ich stehen lassen, denn hatte Jesus nicht selber darauf aufmerksam gemacht auf die kleinen Zeichen, die so ganz an seinem Rande auf einmal da sind. „Oh Gott“, sagte einer, und es betete so ganz spontan aus ihm heraus; „mach, dass ich deine Zeichen nicht verpasse, die Zeichen am Rand des Weges“, und einer meinte, „die Steine, die wissen auch Geschichten zu erzählen“. Und ein anderer sagte plötzlich:Jesus, wenn du vielleicht Silvester wiederkommst, Silvester dieses Jahr…“. Das war so eine Idee, die plötzlich im Raum stand. Dann sind das noch 245 Tage, von heute aus gerechnet, also noch 21 Millionen einhundert 68 tausend Sekunden.“ Das ist aber noch lang, der Weg ist noch lang, aber Straßenkehrer wäre trotzdem das Beste“ sagte Mutu noch einmal mit Nachdruck diesmal. Aber manchmal würde ich mich hinknien, mitten auf den Weg, vor lauter Staunen und manchmal auch tanzen mit dem Besen in der Hand und mit meinen nackten Füßen, denn es ist ja ein zärtlicher Weg.

Und weiter, hatte einer noch eine Frage, wann wird man an unseren Wegen erkennen, an unseren Straßen, hier wohnen die Sanftmütigen, die sich sehnen nach Gerechtigkeit und die Frieden stiften. „Das, so antwortete Mutu, „das würde auf jeden Fall mein Lieblingsspiel als Straßenkehrer, dass unser „way of life“ bloß niemals ein “way of death” wird für andere. Da würde ich mich nämlich schämen in Grund und Boden schämen“. Und einer von ihnen, der nicht gesund war, man sagte, er sei sehr langsam im Kopf, der musste jetzt immer mehr lächeln je öfter er die Worte Weg und Leben hörte und Besen,. Und beim Tanzen, da applaudierte er und wieder mehr wie im Traum sagte einer leise:“Niemand wechselt mehr die Seite nur weil einer kommt, der nicht hellhäutig ist und damit waren sie jetzt schon fast im Paradies.

Da erzählten sie sich die Geschichte von dem Reichen, der sich nicht von seinem Reichtum trennen konnte und der Gott bat, wenigstens eine Tasche mit in den Himmel nehmen zu dürfen. Eigentlich geht das nicht, aber Gott ist ja berühmt für seine Ausnahmen und erlaubte es ihm : „Eine Tasche voll darfst du mitbringen!“ Und dieser reiche Mensch überlegte und entschied am Ende, die Tasche voller Goldbarren zu packen, Goldbarren, vom Allerfeinsten.

Und sie erzählten weiter, wie der Reiche damit im Himmel ankam und einer sagte am Eingang: „Keine Taschen!“ Aber der Reiche hatte ja eine Sondererlaubnis, die konnte er vorzeigen und Jesus begrüßte ihn herzlich und fragte neugierig, wirklich ernsthaft interessiert „Und? Was hast du denn mitgebracht?“ Er sah in die Tasche, sah die Goldbarren und fragte erstaunt „Bürgersteig? Du hast Bürgersteig mitgebracht?!“

Das war schon immer eine ihrer liebsten Geschichten, wenn das Licht schon aus war im Kinderheim und nur die älteren Jungs, die Sechzehnjährigen noch redeten.Im Himmel da sieht man, dass der Weg nämlich aus Gold ist, auch wenn er hier steinig aussieht und staubig und vielleicht nicht gerade wie eine Autobahn, sondern mehr wie ein Trampelpfad, unscheinbar, abenteuerlich, verrückt, fast ein bisschen abwegig, absolut faszinierend. Dann meinte einer, der immer etwas tiefer sah als die anderen, aber auch hier in dieser Welt, meine ich, unter dem Asphalt ist Sand und unter Pflastersteinen Erde, auch unter unsern selbstgebauten Straßen ist dieser alte geheimnisvolle Pfad in neues Land. Unter dem Asphalt ist Sand und so berühren sich den ganzen Weg entlang die Gegensätze – menschliches Herz – heiliger Geist. So erzählten die älteren Jungs, wenn das Licht schon aus war im Kinderheim. „Wenn Jesus der Weg ist. der Weg unter allen Wegen, ich hätte nichts dagegen und würde fegen, das wäre Segen – seinetwegen“. 

Christina Brudereck, April 2008, zum Christival

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