Ostern

Der Stein ist weg! – Welche Befreiung kann das sein – der Stein, der einen Weg versperrt, der Stein, an dem ich mich immer wieder stoße, der Stein, der mir zugeworfen wird, der mich jedes Mal reizt, der Stein, der daliegt und mir meine Grenzen aufzeigt. Welche Befreiung, wenn der Stein, an dem ich nicht ungestreift vorbeikomme, weg ist! Aber könnte es auch sein, dass dies Erschrecken auslöst? – Jetzt habe ich nichts mehr, an dem ich mich aufhalten kann. Wie sollten wir mit der neuen Situation alleine zurechtkommen?

So muss es auch Maria von Magdala ergangen sein, von der uns in Johannes 20, 1-10 erzählt wird. Sie sah, dass der Stein vom Grab weg war und lief daher schnell zu Simon Petrus und Johannes, um ihnen dies zu sagen. “Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben”. Zwei Worte bleiben bei mir hängen -“weggenommen” und “hingelegt”. Das, was mir Schmerzen macht, was mich traurig macht und lähmt, kann mir anscheinend weggenommen sein, um an einer anderen Stelle wieder hingelegt zu werden. Ich stolpere also wieder darüber – über diesen Stein.

Wenn Sie diese Geschichte weiterlesen, wird erzählt, dass tatsächlich die Leinenbinden hingelegt sind, zusammengelegt, abgelegt. Das könnte doch heißen, der Stein ist weggenommen, so dass die Frauen und die Jünger sehen, dass die Binden des Todes hingelegt sind, ja der Auferstandene selbst sie hingelegt hat – als Zeichen dafür, dass die Bandes des Todes weggenommen sind und dass kein Stein mehr das Leben aufhalten kann.

Mag der Stein, der sich immer wieder in den Weg legt noch so groß sein, mag es den Anschein erwecken, dass es keinen Weg mehr weiter gibt – unsere Geschichte will uns das kleine Sätzchen einprägen: “der andere Jünger sah und glaubte”. Er sah, der Stein ist weggenommen und er glaubte, dass vor ihm das Leben hingelegt ist. Welch neue Perspektive, welch neues Erwachen.

Ostern heißt also, der Stein muss weg, der das Leben verhindert. Der Stein ist weg und das Leben liegt vor uns. Halleluja, Jesus lebt, Jesus ist Sieger!

(aus einem Reliphon von Waltraud Mäschle)