Karfreitag

(Johannes 18, Vers 28-40)Von Pilatus ist die Rede und von dem Volk, das Jesus in die Burg bringt, um das Urteil zu sprechen so zwischen Nacht und Morgen. Ach, wie schnell werden manche Urteile gesprochen. Es erschreckt bei dem Gedanken “zwischen Nacht und Morgen”, also zwischendrin – so beiläufig – so am Rande und doch so gewichtig. Es entscheidet ja zwischen Tod und Leben. Da spüren wir das Gefühl des Entsetzens, einmal bei den Verurteilern zu stehen und dann auch wieder bei dem Verurteilten.

Wer kennt das nicht, so zwischen Nacht und Morgen – ohne Gesicht. Aber hier in unserer Geschichte sehen wir deutlich drei Gesichter – die des Volkes – das von Jesus und das von Pilatus. Umso mehr wir in die Geschichte hineingehen, umso mehr werden uns die Gesichter immer vertrauter und wenn wir Pilatus genauer ansehen, den, der eine Entscheidung herbeiführen und das entscheidende Urteil sprechen soll, fällt es auf einmal auf, dass er sich das gar nicht so leicht macht.

In Vers 29 heißt es:” das Volk ging nicht hinein in die Burg”. Sie gingen also nicht in die Auseinandersetzung mit hinein. Pilatus kommt heraus. Ich stelle mir sein Gesicht vor: unschlüssig, ungläubig, das kann doch nicht sein, die müssen sich getäuscht haben. Aber er sieht in ihren Gesichtern die Verschlossenheit, die Engstirnigkeit. Nur nicht hinschauen, nicht in Frage stellen lassen, deshalb müssen sie so schreien. Ja, deshalb müssen wir oft so schreien, weil wir nicht genau hinschauen.

Da geht Pilatus wieder hinein, er setzt sich mit dem Gesicht Jesu auseinander. Beim genauen Hinschauen spüren wir die tiefe Sehnsucht des Pilatus, sich diesem Gesicht Jesu zu stellen, aus dem neben Entschlossenheit, Klarheit und großem Ernst barmherzige Augen schauen. Pilatus mit Jesus innen in der Burg! Schade, dass er wieder zum Volk hinausging und sich von deren Gesicht bestimmen ließ.

Nützen wir doch diesen Tag, um hineinzugehen und auszuhalten bei Jesus.

 

(Bild von Karola Onken)