Mitarbeiterwochenende in Triefenstein

Kloster Triefenstein – Ort der Einkehr, der Besinnung und der Begegnung.

55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Werkes Stufen des Lebens, Kirchenbezirk Weinsberg, trafen sich hier zu ihrem jährlichen Mitarbeiter-Wochenende. Im Hören auf Gottes Wort, in Lob, Dank und Anbetung wollen wir uns auf unseren Auftrag bei Stufen des Lebens besinnen und neu ausrichten. Unsere Begleiter waren der Prior, Bruder Christian und Bruder Helmut seitens der Brüder, und unsere Leiterin Margret Leitlein und Karin Genz als treue mitverantwortliche Stütze. Grit und Volker Bertsch haben neu erlernte und bekannte Lieder musikalisch begleitet.

Unser Zusammensein begann mit der Abendandacht in der wunderbaren Barockkirche des Klosters. Nach dem gemeinschaftlichen Essen trafen wir uns in der großen Bibliothek, einem atmosphärisch sehr beeindruckenden Raum.

Die Mitte unseres Stuhlkreises bildete ein von Karin Genz gestaltetes, unglaublich faszinierendes Bodenbild, das die sogenannte Lutherrose darstellte, deren Symbolik sich im Laufe des Abends entfaltete. Die Rose gilt als Siegel, das Luther zu seinem theologischen Markenzeichen erklärt hat und mit dem er seit 1517 seine Briefe und Schriften versiegelte. Außerdem erinnerte uns das Herz in der Mitte an die Jahreslosung aus Hesekiel 36, 26:

Gott spricht: Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch.”

Die Vertreter der einzelnen Mitarbeiterkreise berichteten von ihren jeweiligen Schwerpunkten und der Thematik ihrer örtlichen Gemeinschaft. Wir schlossen den Tag mit einer Gebetsgemeinschaft ab, in die wir besonders auch die kranken und verhinderten Mitarbeiter einschlossen.

Am Samstagmorgen fanden wir uns nach gutem Frühstück wieder in der Bibliothek ein. Hella Frahm stimmte uns mit rhythmisch-gymnastischen Bewegungen auf den Tag ein. Generell erfreuen uns die gemeinsamen Tänze; sie stimmen heiter und öffnen Geist, Seele und Leib für die folgenden Themen.

Bruder Christian knüpfte in seiner Bibelarbeit an das Lutherthema an und hat versucht, uns anhand von 3 Bibelstellen (Markus, Kap. 1, Johannes, Kap. 1 und Offenbarung, Kap. 5) den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium zu erschließen: Das Gesetz engt mich ein, das Evangelium macht mich frei. Gott will uns Lebens-raum öffnen, heraus aus der Angst ins Leben, in die Freude.

In den beiden ersten Bibelstellen geht es um die Taufe Jesu. Die Taufe ist die Grund-Botschaft Gottes “Du gefällst mir gut!” – Luther hat sich immer wieder seiner Taufe erinnert.

Kräftige und sehr anschauliche Luther-Zitate unterstrichen die Auslegung. Einige seien hier wiederholt:

–           Glaube ist nicht eine ruhige Haltung der Seele, sondern eine lebendige Kraft des Herzens, wie eine Lilie unter Dornen.
–           Gott ist ein Backofen voller Liebe

–           fröhlich, trotzig und lustig, das wirkt der Heilige Geist im Glauben (Gott will, dass wir lebendig sind)

–           “was uns gut tut” – ist der Schlüssel zu Luthers Verständnis zum Evangelium.

Fragen zu dem Gehörten beschäftigten uns im Nachgespräch zu der Bibelarbeit.

Nach dem Mittagessen konnten wir unterschiedliche Angebote wahrnehmen: Frische Luft genießen, sich tänzerisch bewegen beim “Line-dance” – (was verbirgt sich dahinter?) oder einfach nur ausruhen. Am Nachmittag ist Hans Leitlein mit uns den Weg eines neuen Glaubenskurses gegangen, der in der Ausbildungsstätte der Bahnauer Bruderschaft in Unterweissach entwickelt wurde.

Das Thema war: “Vergnügt, erlöst, befreit” – einfach evangelisch.

In dem Kurs wird nach den Wurzeln der Reformation gefragt. Was wollte Luther?

Es werden die 4 Grundaussagen der Reformation ins Blickfeld gerückt.

– Allein die Gnade – Allein Christus – Allein der Glaube – Allein die Schrift

 Luther erfuhr damals eine tiefgreifende Befreiung durch die Gnade.

So hat sich auch die 1. Einheit des Kurses mit dem Thema Gnade beschäftigt.

“Du bist angenommen – bedingungslos. Allein aus Gnade”

In sehr lebendiger und anschaulicher Weise hat uns Hans Leitlein das Thema aus verschiedenen Sichtweisen nahegebracht. Zunächst näherte er sich geschichtlich-historisch und hat danach die elementaren Grundgedanken der Reformation herausgearbeitet. “Was wollte Luther?” (Sicher wollte er keine Trennung)

Die 95 Thesen sollten Missstände bewusst machen. Es ging um die Ablassbriefe, wer “kassierte” die Gelder? All diese Fragen wurden angesprochen. Durch die teilweise sehr heiteren Beiträge der Mitarbeiter, durch kurze Anspiele und dem Lesen biblischer Texte wurden unterschiedliche Blickrichtungen oder Zugänge eröffnet. Wir wurden herausgefordert, uns mit dem Thema der Reformation auch für unsere heutige Zeit auseinander zu setzen. Sicher hat jeder für sich im Nachklang zu diesem Nachmittag noch die Frage bewegt:

“Was bedeutet für mich persönlich Gnade – und wie gehe ich in der Beziehung zu meinem Gegenüber damit um?”

Nach Abendgebet und Abendessen hatten wir uns gewünscht, etwas von den Brüdern zu hören, über ihr Leben in der Klostergemeinschaft, über ihre unterschiedlichen Standorte mit den jeweiligen Schwerpunkten und auch Nöten. Der Bericht war sehr eindrücklich.

Eine besondere Herausforderung stellen sicher die Einsatzorte in Afghanistan und Vanga dar, wo die dortigen Brüder – teilweise auf sehr einsamem Posten – ihren Dienst tun.

Mit einer Gebetsgemeinschaft wurde der Abend “offiziell” abgeschlossen. Wer noch Gesprächsbedarf hatte, konnte sich in der Cafeteria treffen.

Beim Gottesdienst am Sonntag Morgen diente uns Bruder Helmut. Es ging um die Berufung des Levi nach Lukas 5, V. 27 – 32.

Tief, gleichzeitig aber originell und lebendig war seine Auslegung. Die Rolle der Zöllner in dieser Zeit – und die kompromisslose Aufforderung Jesu “Folge mir nach!” warfen Fragen nach unserer Nachfolge auf. Herrlich war die Schilderung, wie Jesus bei Levi “einen Hausbesuch ” machte, wie Bruder Helmut es ausdrückte. Eine bunte und fragwürdige Gesellschaft war dort versammelt. (Sage mir, mit wem Du umgehst…)

Empörung und Abgrenzung der feinen Leute, der Pharisäer und Schriftgelehrten – sie hielten das nicht aus und murrten. Und dann Jesu Antwort: “Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.” Unser Dank geht an Bruder Helmut für diese Predigt!

Im Anschluss an den Gottesdienst feierten wir gemeinsam Abendmahl.

Und wie bei jedem Abendmahl – wurden wir ermutigt, Schuld, Lasten und die Beschwernisse unseres persönlichen Lebens abzugeben und loszulassen. Mit einem persönlichen Zuspruch wurden wir entlassen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Dag Hammarskjöld: “Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden, um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben!”

Möge es das Fazit unseres Wochenendes werden.
Ursel Perino