3. Advent

Eine Zeit für die Sinne (von Andrea Schwarz)

Es liegt für mich eine Art von Zauber über diesen Wochen, den alle raue und harte Realität nicht durchbrechen kann – im Gegenteil: Manchmal meine ich fast, dass dieser Zauber auch die brutale Wirklichkeit umfasst und verändert. Von diesen Tagen und Wochen scheint etwas auszugehen, das auch die hartgesottenen Herzen “aufweicht”.

… Mandarinen, Nüsse und Weihnachtsplätzchen, Kerzen und Geschenkpapierrascheln, der Duft von Tannennadeln und das leise, fast unhörbare Geräusch fallenden Schnees. Ich schreibe Karten mit dem Gruß “Frohe Weihnachten!” bekomme Weihnachtsgrüße (per App oder Mail) – diese Wochen sind für mich irgendwie anders. Manchmal kommt es mir vor, als klinge da leise, ganz im Hintergrund, eine Melodie, die verzaubert, die mich vielleicht ein wenig neu zum Kind werden lässt, die mich das Staunen, das Offen-Sein lehrt… Die vielfältigen Sinneseindrücke von außen nehmen ab, um den Eindrücken in mir Platz und Raum zu schaffen. Bei aller Hektik, so verlangsamt sich doch das Leben in mir.

Advent und Weihnachten kann bei mir nicht nur mit dem Kopf stattfinden – ich brauche auch etwas für Herz und Hand. Manche mögen das sentimental nennen, für mich heißt es  Sinnlichkeit. Und vielleicht ist es gerade eine solche Zeit, in der man, im Sinne von Antoine de Saint-Exupéry, mit dem “Herzen gut sieht”. Es ist ein Zauber, von dem diese Tage und Nächte vor der Wintersonnenwende umgeben sind – und ich darf mich in diesen Zauber hineinbegeben, mich verzaubern lassen, wenn ich zugleich nicht die Existenzialität dieser Tage und ihre Botschaft dabei nicht vergesse.

(aus dem Buch: Hoffnung leuchtet wie ein Stern – Herder Verlag)