Abend der Begegnung mit Prälat Harald Stumpf

Der Bericht über den Abend der Begegnung sollte auf die Homepage. Nachdem ich aber von niemanden eine direkte Zusage fürs “Berichten” erhielt, war ich ziemlich ratlos. Doch heute machte mich Margret T. auf den Bericht von Prälat Harald Stumpf unter den Kirchlichen Nachrichten unserer Tageszeitung Heilbronner Stimme aufmerksam. Jetzt hatte ich den Bericht … vom Prälat persönlich. Vielen Dank!

Der „Platz an der Sonne“ und das „Licht der Welt“.

Von Prälat Harald Stumpf (Geistliches Wort, HSt vom 09.12.2016, Kirchliche Nachrichten)

„Weihnachten ist das Fest der Lichter und der leuchtenden Kindergesichter.“ So sagt man, und das kann ich gut nachvollziehen. Nachdem ich meinen Vorgarten adventlich geschmückt und die Fenster mit Sternen dekoriert und beleuchtet habe, kann ich das bei den Kindern und Erwachsenen an der Bushaltestelle vor unserem Haus beobachten. Weihnachten ist das Fest der Lichter. Lichterketten und Weihnachtsmärkte bringen Licht und Wärme in unsere oft dunklen Dörfer und kalten Städte. Darüber freue ich mich sehr.

Symbolik, Licht ist in der religiösen Symbolik immer der Bereich des guten, Leben schaffenden Gottes. So wie wir ohne das Sonnenlicht biologisch nicht existieren können, so können wir ohne Gott nicht wirklich leben. Der Wunsch nach „mehr Licht“, das Streben in den Weltreligionen zur „Erleuchtung“ ist die Sehnsucht nach Erfüllung des Lebens.

„Zeig mit den Platz an der Sonne.“ So hat Udo Jürgens diese Sehnsucht nach einem guten Leben in einer friedlichen Welt der Liebe besungen. Der „Platz an der Sonne“ wurde zum Motto der Fernseh-Lotterie, die diesen begehrten Platz finanziell ermöglichen sollte.

Die Wortprägung „Platz an der Sonne“ entstand vor knapp 120 Jahren durch eine Äußerung von Bernhard von Bülow in einer Reichstagsdebatte, in welcher es um die Kolonialpolitik und das Weltmachtstreben des Deutschen Kaiserreiches ging.

„Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne“. (Bernhard von Bülow am 6. Dezember 1897).

Kein Schatten „Wir wollen niemand in den Schatten stellen.“ Aber das ist offensichtlich ein Lebensgefühl in unserer heutigen Gesellschaft und in unserer Welt. Menschen, denen es verwehrt ist, auf der Sonnenseite des Lebens zu leben, fühlen sich zunehmend vernachlässigt, ausgegrenzt und abgehängt. Wir kommen zu kurz, wir verlieren, was wir einmal hatten und was wir einmal waren. Dieses Lebensgefühl müssen wir ernst nehmen und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft fördern, indem wir auf die Bitte von Udo Jürgens genau hören: „Zeig mir! … Zeig mit den Platz an der Sonne“ und führe mich zum “Licht der Welt“.

Das ist der adventliche Auftrag für uns Christen, dass wir die Lichterketten in unseren Städten inhaltlich deuten und auf das Friedenslicht von Bethlehem hinweisen. Die Hirten, die damals keinen „Platz an der Sonne“ hatten, sondern gesellschaftlich ausgegrenzt und in den Schatten gestellt waren, erfahren zuerst vom „Licht der Welt“. Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ und er sagt auch: „Ihr seid das Licht der Welt!“.

Darum sage ich heute: „Tragt in die Welt (zu den Kinder, Alten, Kranken, Armen, Nachbarn und Arbeitskollegen) nun ein Licht, sagt allen “Fürchtet euch nicht!“ Gott hat euch lieb, Groß und Klein, seht auf des Lichtes Schein.“