Stufen des Lebens in Korea 2016

„Durch Krisen reifen“ – ELIA

Mit diesem Kurs habe ich nicht nur wieder selbst eine Stufe des Lebens innerhalb meines Tuns beim RELI genommen, sondern auch der gesamte Inhalt des ELIA hat mich noch einmal persönlich tiefer in dessen „Krisen“-Thematik eingeführt…

Dank sei allen, die diesen Kurs – überhaupt dieses Modell – so gründlich entwickelt und aufbereitet haben, dass auch Menschen einer völlig anderen Kultur (Korea) sich darauf einlassen konnten!

Dank an Waltraud Mäschle, deren Name eigens genannt wurde im koreanischen Einladungsschreiben, Dank aber auch an alle, die mir wieder vor Augen getreten sind, als ich kurz vor Beginn des auf Englisch zu haltenden Kurses noch einmal die deutsche Mappe studierte. Jutta Ebertshäuser, Roland Krause, um nur einige zu nennen. Diese spirituelle, theologische und humanwissenschaftliche Tiefe…

Und dann die englische Version: Seit dem Sommer memoriere ich Marys Übersetzung…Wie gut, dass es diese Native-Speaker-Fassung gibt! Und diese  war ja wiederum nur  die Brücke für die Koreaner, die etwas Englisch verstehen. Der komplette Verlauf des Kurses musste ja von unserem Freund, Prof. Dr. Malte Rhinow, simultan ins Koreanische übersetzt werden

Dass diese Sprache auch schon wieder eine eigene Welt spiegelt, könnt Ihr auf dem Plakat des Gruppenfotos erkennen. Das Transparent war übrigens über dem Eingangsweg zur Luther-Universität  ausgespannt und hat sicherlich mit seinen deutschen Begriffen die koreanischen Leser befremdet.

Nun aber der Reihe nach:

Dass ich dieses Jahr wieder mit nach Korea fliegen durfte, habe ich meinem Mann zu verdanken, der dort zu Vorträgen und einer Seminarreihe über Luther eingeladen war (Sein Buch „Luther – eine kritische Würdigung“ ist inzwischen ins Koreanische übersetzt worden). Weil ich der einladenden Fakultät und Kirche zum Dank auch etwas mitbringen wollte, habe ich gefragt, ob sie  – wie vor 4 Jahren schon einmal – einen RELIkurs haben wollte. Das Fortbildungsteam der Pfarrer entschied sich wieder dafür und es meldeten sich 13 Teilnehmende. Wenn die Vikare nicht durch eine Parallelveranstaltung verhindert gewesen wären, hätten noch mehr zugesagt, wurde mir versichert. Leider waren keine Mitarbeitenden oder Interessierten aus den Gemeinden eingeladen, weil die hiesige Lutherische Kirche noch total hierarchisch strukturiert ist. Die Pfarrer sind völlig überlastet, weil sie alles allein machen zu müssen glauben, allenfalls ihre Ehefrauen in der Seelsorge beteiligen und auch teilweise noch Berührungsängste mit Psychologen haben. (Im Hintergrund steht die jahrhundertelange Prägung durch den Konfuzianismus).

Das ist im Blick gerade auf die RELIkurse sicher ein Problem, aber vielleicht öffnen sich ja allmählich Türen. Denn hier wurden schon  andere Glaubenskurse erprobt:  ALPHA und

BETHEL  -GLAUBEN  IM ALLTAG-.

Ausgesprochen anschlussfähig zum Stil des RELI ist die Musikalität und schauspielerische Gabe der Koreaner, die dann doch die Oberhand gewonnen hat über die sonst an der Uni geübte Zurückhaltung und das Antworten in Reihenfolge der Dienstgrade.

Bitter schmunzeln musste ich, als ich, die ich mein Eingangsgebet schön vorformuliert hatte, gar nicht zum Zuge kam, denn selbstverständlich betet eingangs nur der leitende Pfarrer, allenfalls sein Stellvertreter, vom Segnen ganz zu schweigen. Frauenordination gibt es  auch keine. Aber lehren dürfen Frauen. Da hilft vielleicht die Spur „Religionsunterricht“ für Erwachsene!

Weil der Kurs im Unigebäude durchgeführt wurde, war es nicht einfach, den technisch durchgestylten Raum umzugestalten: Die Stühle für den Kreis hatten natürlich alle große Schreibauflagen. Aber es gelang, die Teilnehmenden aus ihren gesicherten Positionen hervorzulocken. Sie haben sich alle auf ELIAS Krisenweg bewegt und die Offenheit über ihre  persönlichen Erfahrungen war überraschend.

Mir ist bewusst geworden, wie wichtig der gemeinsame Bibeltext ist, der die Sprachgrenzen wenigstens weitgehend überwindet. Allerdings – und das wissen wir ja allein aus unserer eigenen historischen Entwicklung – ist Übersetzung schon immer Interpretation. Manches, was ich ansprechen wollte, „fand“ sich in ihrer Bibel gar nicht, die sie übrigens auch nicht in Buchform wie ich, sondern in ihrem Tablet oder Smartphone vor sich hatten…

Elias Wüstenweg ist für Koreaner weit weg – die Landkarte hätten sie natürlich schnell bei Google aufschlagen können – wozu habe ich sie extra gemalt? Aber Spaß beiseite: Wie dicht der alttestamentliche Text ist und dass man ihn auf verschiedenen Ebenen wahrnehmen kann, das wurde deutlich!

Dazu verhalfen jeweils die ersten Hälften der einzelnen Einheiten, wo es um die Alltagserfahrungen ging. Am dichtesten an der Symbolebene waren die Pfarrer, die schon in sozialen Einrichtungen tätig sind. Da fand das Krisenthema und die Verwandlung der Krise in neues Leben sofort Resonanz!

Hilfreich war auch, dass gleich am Anfang jemand darauf hinwies, dass im Koreanischen „Krise“ und „Chance“ in einem Wort diese doppelte Bedeutung  haben. So kam das Tunnel-Röllchen mit dem chinesischen Schriftzug später nicht unvorbereitet!

Am Ende haben sich eine Pfarrfrau und ein Pfarrer, der mit Nichtsesshaften arbeitet, gemeldet, die den Kurs durchführen wollen. Es hätte mich auch enttäuscht, all` die Materialien umsonst erstellt oder organisiert zu haben! Mögen sie zu vielen Menschen sprechen können!

Bitte, betet dafür!

Rosemarie Barth

Luther-Universität, Yongin, Südkorea, 24.10.2016