persönlich erlebt – Anstößig leben …

Anstößig leben…

 – eine ganz subjektive Betrachtung zum gleichnamigen Stufenkurs

von A. E.

Mein Einstieg in das Multitreffen zum Thema „Anstößig leben?!“ verlief gleich überschriftsgemäß: Ich hatte den eigentlichen  Zug verpasst, die Bahn hat dann das Ihre dazugetan und so platzte ich gleich zu Beginn in die schon im Stuhlkreis sitzende Runde von Kursleitern und Multis. Und da mein vorgesehener Platz genau auf der anderen Seite des Kreises war, marschierte ich einmal durch das ganze Arrangement auf dem Boden. Na super Frau Eickhoff, dachte ich, da haben wir gleich einen Auftritt hingelegt. Und mit einem Schlag ging es mir gleich wieder, wie es mir sooft unter Christen geht – ich fühlte mich anstößig.

Das, worum thematisch in diesem Kurs gerungen wird – anstößiger leben – ist für mich keine Schwierigkeit. Es liegt in meiner Natur. Als Künstlerin und Lehrende ist es das, wonach ich suche. Sei es beim Theaterspielen, sei es beim Unterrichten. Ich brenne dafür Impulse durchs Leben rollen zu lassen und andere damit aus der abgesessenen Situation zu bringen, in die sie sich begeben haben.

Ich bin ein Stein des Anstoßes. Vor allem für Christen: nirgendwo sonst innerhalb der eigenen Reihen fühle ich mich so deplatziert, wie unter Meinesgleichen. Das ist wohl der Grund, warum ich seit längerem keinen Anschluss an eine Gemeinde suche und auch keine Freunde dahin mitnehmen würde – was sollen sie dort auch, wenn nicht mal ich mich darin heimisch fühlen kann. Denn mich befremden viele Dinge in unseren Gemeinden: die Sprache, die Musik, die Enge, die Angst, die immer noch männerzentrierte und männergesteuerte Hierarchie…

Ich bin in meinem Leben schon oft angestoßen worden. Mein kleines Steinchen ist dabei teilweise recht weit weggerollt von seinem Ausgangspunkt. Mit meinem Teenagerglauben bin ich mitten ins Lebenstheater geschleudert worden und habe gestaunt, was ich da kennenlernen durfte: schonungslose Ehrlichkeit, streiten, ein normaler Zugang zur Sexualität, Kunst…

Und dann rolle ich bei „Stufen“ mitten in eine Runde von älteren ChristInnen, die sich gerade fragen, wozu der Heilige Geist sie in der letzten Woche angestoßen hat. „Heimatland!“ denke ich, ganz im Sinne meiner schwäbischen Oma, und zucke innerlich zusammen. Und sehe meine Erwartungen schon bestätigt.

Ganz im Gegenteil zu Maria, Mutter Jesu. Die hatte auch Erwartungen, sah ein Leben vor sich, in dem Gott in ganz besonderer Weise wirkt und ihr eine außerordentliche Rolle zugedacht hatte. Aber so, wie es dann kam, hatte sie es sich bestimmt nicht ausgemalt. Der Messias, den sie geboren hatte, wollte nicht so, wie sie wohl wollte. Immer wieder glitt er ihr wie ein Aal durch die Finger und spie ihr ein: „Du hast keinen Anteil an mir – ich bin für dich nicht verfügbar.“ entgegen.

Der Geist weht wo er will. Und unsere Erwartungen werden nicht erfüllt. Auch meine nicht. Glücklicherweise. Denn schon bei den ersten Gesprächen mit meinen Sitznachbarinnen im Stuhlkreis, oder im Speisesaal, passiert das, was mich zuvor schon mal bei „Stufen“ angestoßen hat: Hier geht’s um Tiefe und hier sind Leute, die genau daran interessiert sind. Es geht um Lebenskrisen, Schläge, Veränderungen und Weisheit, die nur aus Leid und Dornen erwachsen kann. Maria durch ein Dornwald ging. Und plötzlich ziehen sich alle Vorurteile zurück und ich werde bewegt durch die Tiefe der Themen und die Ehrlichkeit der Menschen, die mir hier begegnen.

Und dann weht der Geist und haut mich um, ganz entgegen meiner Erwartungen. „Du kannst mich nicht führen“, sagt Jesus zu Maria, „ich führe“.  „Und ich werde in dir wohnen“, habe ich gehört.

Ich lasse mich gerne anstoßen.

Deshalb werde ich wieder kommen.

Vielen Dank für die wunderbare Arbeit, die Ihr mit „Stufen des Lebens“ macht.