Fraueneinkehrzeit September 2015

Sobald man durch das blaue Tor in die Klosteranlage Triefenstein eingetreten ist, meint man in einer anderen Welt zu sein – wie im Paradies. Das erfuhren wir wieder am 7. September, als 29 Frauen sich zu der jährlichen Einkehrzeit einfanden. Da ist der wunderschöne parkähnliche Garten, die Gebäude mit ihren dicken Mauern und liebevoll sowie stilvoll ausgestatteten Räumen – und Stille. Ein Ort zum Atemholen und Auftanken für die Seele und die Sinne.

Zunächst durften wir an der Abendandacht der Christusträger-Brüder teilnehmen, die allabendlich in der Klosterkapelle stattfindet, mit Gebet, Fürbitte und gesungenem Lobpreis. Das Thema unserer Bibelarbeiten an den Vormittagen waren die Seligpreisungen der Bergpredigt. Bruder Dieter leitete alle unsere Veranstaltungen mit viel Einfühlungsvermögen, Humor und großer Sachkenntnis.

Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind, denn ihnen gehört das Himmelreich.

So lautet die erste der Seligpreisungen, um deren Verständnis, wie Bruder Dieter uns zeigte, schon viele Übersetzer gerungen haben und deren Tiefe vielleicht nie völlig auszuloten ist. Viel Nach-denken und Gespräch führte uns zu der Erkenntnis, dass jede Art von Armut uns näher zu Gott bringen kann, wenn sie vor ihn gebracht wird.

Glückselig sind die, die an der Not der Welt leiden, denn sie werden getröstet werden.

Bei der zweiten Seligpreisung stellt sich die Frage nach dem unendlich großen Leid, das viele Menschen in der Welt erleiden. Hat dies wirklich einen Sinn? Wir Menschen fliehen doch eher vor dem Leid. Eine einfache Erklärung kann hier nicht gefunden werden. Wohl gibt es Fälle, in denen Menschen – oft lange hinterher – einen Sinn finden und sagen konnten:“ Es ist gut, wie es ist“. Oft aber übersteigt das Leid jedes Verständnis und der Leidtragende scheint von Gott verlassen. Für alle aber gilt die Zusage, dass Gott ihn trösten und hernach „alle Tränen abwischen“ wird. 

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind, denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Von Herzen freundlich, sanftmütig, demütig – können wir überhaupt so sein oder sind wir da nicht maßlos überfordert? Hier half uns Bruder Dieters Überlegung, dass wir ja einmal anfangen könnten eine solche Haltung einzuüben, Schritt für Schritt, indem wir Gott auch immer wieder um seine Hilfe bitten. Demut bedeutet nicht Unterwürfigkeit und Duckmäusertum, sondern eine aufrechte Haltung in aller Klarheit, die andere auch zum Leben ermutigt. Aber besitzen nicht eher die Durchsetzungsfähigen und Rücksichtslosen die Erde? Am Ende werden nicht sie es sein, sondern nach Gottes Willen, die von Herzen Freundlichen. Sinngemäß bringt ein Text von Dorothee Sölle es so auf den Punkt:“ Bist du ein Trost für die Erde gewesen?

An unserem letzten Tag feierten Bruder Dieter und Bruder Christian mit uns einen Abendmahlsgottesdienst, in dem Bruder Dieter zusammenfassend über die Seligpreisungen sprach und uns diese Worte Jesu nahe brachte. Wir wurden dann zusätzlich zu dem Segen mit einem bunten Kreuz beschenkt, alle verschieden wie auch wir. Zu all dieser geistlichen Fürsorge kamen die Köstlichkeiten aus der Küche und auch Spaß und Unterhaltung, etwa bei einem bunten Abend oder einem Diavortrag von Bruder Uwe, einem leidenschaftlichen Fotografen und Liebhaber der Schöpfung. Wir staunten, welche Vielfalt an Vögeln und Insekten er in den Rapsfeldern um Triefenstein ins Bild gebannt hatte – dazu auch mit viel Geduld ein springendes Reh und junge Füchse. Nachmittags saßen wir gern in der Sonne, spazierten durch die Landschaft oder ließen uns von Elke zu einem Tanz motivieren.

Bei Gesprächen lernte ich ein paar Teilnehmerinnen näher kennen und wertschätzen, mit wie viel Fröhlichkeit, Glauben und Vertrauen sie ihr oft nicht leichtes Leben meistern. Was ich über das Leben und die Arbeit der Christusträger-Brüder erfuhr, verdient tiefen Respekt und Dankbarkeit, dass es diese Gemeinschaft gibt.

Am Ende dieser Woche bin ich einfach dankbar für die Tage in Triefenstein und ermutigt für mein eigenes Leben.                                                                                                Regina Sturm-Joedecke