Der Sonnenstrahl

Ein junger, heller und fröhlicher Sonnenstrahl wanderte um die Erde. Überall, wo er hinkam, wurde er freudig begrüßt. Die Blumen entfalteten taufrisch ihre Blüten, die Kranken öffneten mit neuer Hoffnung ihre Augen, die Deprimierten versuchten den Sonnenstrahl zu fangen und zu pflücken wie eine Blume, die man sich ins Knopfloch steckt. Aber er entwischte ihnen immer wieder und spielte ein fröhliches Spiel mit ihnen. So wie mit den Kindern, die er an der Nase kitzelte und in den neuen Tag lockte mit Spielen, Abenteuern und Lachen.

Überall, wo der kleine Sonnenstrahl hinkam, hörte er das erleichterte Aufseufzen: “Wie gut, dass die Dunkelheit vorbei ist!” “Was ist die Dunkelheit?” überlegte sich der kleine Sonnenstrahl, “wie sieht die Dunkelheit nur aus?” Er wollte gerne einmal die Dunkelheit kennenlernen! Deshalb dachte er es sich so: Er wollte sich, wenn am Abend die anderen Sonnenstrahlen weiterwanderten, verstecken und abwarten, bis es dunkel wurde. Dann konnte er herausfinden, wie die Dunkelheit ist.

Gedacht, getan. Der kleine Sonnenstrahl versteckte sich in einem Baumhöhle, in der einmal ein Vogel genistet hatte. Er wartete. Nach eine paar Stunden dachte er, dass es nun wohl dunkel sein müsste und lugte aus seinem Loch. Was sah er? Er merkte schon, dass die Welt anders aussah, aber dunkel war es nicht. Er schlüpfte aus seiner Höhe und tanzte über die Wiese. Es war Nacht. Aber überall, wo der kleine Sonnenstrahl hinkam, wurde es taghell. Er sah die leise Schleiereule durch das Geäst fliegen, er sah, wie die Rehe ästen und die Igel ihren Vorrat sammelten. Aber die Dunkelheit sah er nicht.

Überall wurde er erstaunt angeschaut, einige flohen auch erschreckt vor ihm. Müde und verzweifelt traf der kleine Sonnenstrahl am Morgen seine Geschwister und erzählte ihnen, dass er die Dunkelheit nicht gefunden hatte. Sie lachten ihn aus und sagten zu ihm: “Weil du selbst Licht bist, kannst du die Dunkelheit nicht sehen. Wo du hinkommst gibt es keine Dunkelheit.  (Aus “Was dahinter liegt” von Johannes Stockmayer / Asaph-Verlag)

Wo Jesus mit seinem Licht hineinkommt, kann es auch nicht dunkel bleiben. ER ist das Licht der Welt!