Der Segen beibt – Kurs in der Schule St. Catharina, Cazis (Schweiz) 4./5. August 2014

Stufen des Lebens – Kurs in der Schule St. Catharina, Cazis (Schweiz) 4./5. August 2014

Der Segen bleibt

Meine Vorstellungen über Reli-Unterricht wurden völlig auf den Kopf gestellt. Für mich war es ein spannender Krimi mit grosser Dramatik – nur auf einem ganz andern Niveau und mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes – ‚himmlischen‘ Ende.

Der Begriff ‚Segen‘ bekam für mich Fleisch und Blut. Ein fliessender, goldener Strom durch die Jahrtausende seit Anbeginn der Welt bis zum heutigen Tag und weiter bis zum Ende der Zeiten. Und wo bin ich? Meine Lieben? Meine Freunde? Alle mitten in diesem Strom, ob sie es merken oder nicht, ob sie es wollen oder nicht: Der Segen bleibt! – Umwerfend, nicht wahr?!

Die Kursleiterin, Traudel Krause, nahm uns mit auf die Lebensreise Jakobs. Mit einprägsamen Bodenbildern führte sie uns zu den verschiedenen Stationen des Erzvaters. Dazwischen ergänzte und unterstrich Frieder Gutscher das Gehörte und Erlebte mit Liedern aus seinem grossen Repertoire. Ein bunter Strauss im Dialog mit uns Schülern, biblischen Aussagen, Erfahrungen, Liedern und Gebeten.

Schon der Einstieg mit der Frage: ‚Was ist Segen‘? brachte uns voll in Fahrt. Ich merkte, Segen ist viel mehr als ich mir vorgestellt hatte: Ein goldener Strom, der mich schon vor meiner Geburt begleitet hat, über lange Zeiten ganz im Verborgenen, doch dann glasklar und hell im Sonnenschein, bei Regen und Schnee im Auf und Ab meines Lebens.

Was hat Jakob in seinem langen Leben alles mitgemacht? Wo haben wir Segensspuren entdeckt?

  • Ja, gewiss, bei Grossvater Abraham und bei Vater Isaak. Zu Mutter Rebekka sagt Gott: ‚Der Aeltere wird dem Jüngeren dienen‘. Und dass es so kommt, muss sie selbst in die Hand nehmen, sonst läuft es schief. Ist das Segen? – Und Gott macht trotzdem mit!
  • Dann die Geburt des Fersenhalters – die Erschleichung des Erstgeburtsrechts – sein Entschluss ‚Ich will der Erste sein‘. Kann dies überhaupt eine Segensspur sein?
  • Der ‚Selfmademan‘, der Erfolgs- und Karrieremensch, dem alles gelingt. Und dann …

Dann wird er von Gott sukzessive vom hohen Ross heruntergeholt. Er erlebt

  • wegweisende Träume mit Verheissungen, die sein Leben umkrempeln (Himmelsleiter)
  • Wegmarken und Kreuzungen, wo es um wichtige Entscheide geht (Heimat verlassen in eine ungewisse Zukunft – Rückkehr von Haran – im hohen Alter Auszug nach Aegypten)
  • Wirrnisse und Nöte in Familie (Enttäuschungen: Lea statt Rahel – Rahel ohne Kinder – Ersatzfrauen – Patchworkfamilie – fluchtartiger Aufbruch zurück ins Heimatland)
  • Konfrontationen (Streit mit Laban – Begegnung und Versöhnung mit Esau – später Auseinandersetzungen mit den Söhnen in der Josefsgeschichte)
  • traumatische Erlebnisse voller Aengste und Sorgen (Kampf am Jabbok: ‚Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!‘ – Hungersnot – Josef – Benjamin)
  • Depression und Abkapselung von Familie und Umwelt (20 Jahre Trauer um Rebekka und Josef)
  • Und schliesslich zum ‚Happy End‘: die ‚Ergebung‘ unter der starken Hand Gottes.
  • Jakob wird vom Segen-Empfangenden zum Segnenden. Er segnet sogar den Pharao, den Gott der Aegypter; und zum Schluss alle Söhne mit (zum Teil gar nicht schmeichelhaften) Visionen über ihre Zukunft.

 

Bei all den Stationen wurden wir Teilnehmer ermutigt, die Bodenbilder mitzugestalten und unser eigenes Empfinden auszudrücken. Das löste bei Manchen Betroffenheit und tiefe innere Prozesse aus. Hier ein paar Fragen, die uns beschäftigten:

 

  • Stehe ich unter dem Segensfluss Gottes? Halte ich daran fest? Bin ich dessen gewiss?
  • Was schleppe ich noch aus der Kindheit mit, von dem ich befreit werden möchte? (Verletzungen, Bindungen, Festlegungen, Trauer, Schmerz)
  • Wem muss ich noch vergeben?
  • Was muss ich noch loslassen?
  • Was für Aengste begleiten mich und versperren mir den Weg in die Zukunft?

 

Fazit: In Alledem haben wir die Hand Gottes im Leben Jakobs gespürt und bildlich gesehen, wie Gott den Segen hat mitfliessen lassen, auch durch die dunklen Täler hindurch.

Und weil der Segen bleibt, darf ich die Gewissheit haben, dass auch ich und meine Frau und die ganze Grossfamilie unter diesem Segensstrom leben darf bis in die Ewigkeit hinein. Halleluja!

 

  1. August 2014

Giacumin Saluz