Jesus lässt einladen an Hecken und Zäunen

Im Frühjahr dieses Jahres durften wir, zwei Multiplikatorinnen aus Bayern, vier Abende in einer Haftanstalt für Männer anbieten. Unerfahren mit „Nur-Männer-Kursen“ waren wir sehr gespannt auf diese Zeit.

Von den diensthabenden Vollzugsbeamten sind wir gleich zu Anfang sehr freundlich empfangen und durch viele verschlossene Türen in einen sehr schönen Raum geführt worden, der auch als Gottesdienstraum dient.

Auf den Gesichtern der Männer, die der Einladung gefolgt waren, war am ersten Abend abzulesen, dass sie unsicher waren, was sie erwartete. Das Singen zu Beginn haben wir Multiplikatorinnen übernommen mit Begleitung einiger brummenden Töne. Das war am vierten Abend auch noch so.

Obwohl die Männer nicht an eine Teilnahme an allen vier Abenden gebunden waren, ließen ein Teil von ihnen keinen Abend aus. Von Vollzugsbeamten wurde das als außergewöhnlich bezeichnet.

Bei den folgenden Abenden durften wir eine zunehmende Offenheit, auch hinter verschlossenen Türen, und sogar Vorfreude erleben. Im Verlauf der Abende zeigten sich innere Nöte, aber auch die zögernde Hoffnung auf das, was Jesus zusagt, und was durch das Ausbreiten der Gleichnisse (Bodenbilder) sichtbar vor ihren Augen geschah. Ausgebreitet lagen die unterschiedlichen Typen einer Herde vor uns und die Männer verstanden, dass unsere unterschiedlichen Verhalts- und Handlungsweisen aus der Sehnsucht nach Annahme, Liebe und Wertschätzung resultieren. Alle Teilnehmenden äußerten, dass sie sich darin wiederfinden.

Eine Frage hat uns sehr bewegt: „Kann ich denn das loswerden, was ich mit mir schleppe? Geht das überhaupt?“

Und dann durften wir miterleben, wie einige der Teilnehmer das Angebot, Belastendes symbolisch am Kreuz Jesu abzulegen, für sich in Anspruch nahmen.

Es standen viele Betende hinter diesen Abenden und wir haben die Aussicht, im Herbst erneut einen Kurs anzubieten.

HT