2. Advent

Mit folgender Geschichte grüßen wir Sie in die zweite Adventswoche hinein:

Wunderbar. Einfach wunderbar. Das ist es. Genau das. Wurde aber auch Zeit! Noch zwei Tage bis Heiligabend und noch immer kein Geschenk für die Herzallerliebste!

Jedes Jahr dasselbe Spiel. Keine Zeit, keine Ideen. Parfum – hat sie noch vom letzten Jahr. Und vom vorletzten. Pullover – hat sie gerade selber gekauft. Schmuck – spätestens wenn die Verkäuferin nach der Ringgröße fragt, muss ich passen. Konzertkarten – leider kein Ereignis in Sicht, das sie hätte begeistern können. Bücher, CD´s – na ja, wenn mir so gar nichts anderes mehr einfallen sollte, dann…

Aber das ist es. Ein schicker warmer Fleece Pyjama. Süßer Schnitt, passende Farbe, passende Größe (oder vielleicht doch nicht?). Und dazu mit einer Marke geschmückt, die sie gern trägt.

Ach, wenn das Schenken doch nur einfacher wäre! Die Auswahl im Laden kleiner! Die Auswahl im Schrank auch! Früher war das mal einfacher. Bilde ich mir wenigstens ein. Früher hatten nicht alle schon alles. Früher hat man sich auch über Kleinigkeiten gefreut. Früher. Aber früher ist vorbei. Und ich will nicht jammern. Ich habe mein Geschenk. Und bald hat sie´s!

Als ich fröhlich und beschwingt das Haus betrete, lächelt mir die Herzallerliebste entgegen:“Du hast noch einen Weihnachtswunsch frei. Meine Eltern haben eben angerufen.“ Und schon beginnt der Stress von vorn. Beinahe schlimmer noch. Wunsch? Ich? Also, alles, was ich so brauche, kaufe ich mir irgendwann selbst. Und was ich mir nicht kaufe, muss ich mir auch nicht wünschen. Weil´s zu teuer ist. Oder weil ich´s in Wirklichkeit ja doch nicht brauche.

Manchmal denke ich: Wir sollten auf die Weihnachtsgeschenke ganz und gar verzichten. Aber so ganz ohne unterm Tannenbaum? Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus: Den Grips anstrengen, kleine Wünsche und Sehnsüchte notieren. Geschenke sind Liebesbeweise. Und da zählt die Fantasie mehr als der Preis.

Vielleicht sollten wir ohnehin immer wieder mal an Gottes Weihnachtsgeschenk Maß nehmen. Das Kind in der Krippe. Sein Sohn. Er selbst. Ein echtes Überraschungspaket. Dieses Weihnachtsgeschenk ist der Grund für unsere Weihnachtsgeschenke. Gott schenkt nicht irgendetwas. Er schenkt sich selbst. Und er schenkt uns damit das, wonach wir uns alle sehnen: Zuwendung, Vergebung der Schuld, ewiges Leben. Wir hätten´s uns vielleicht nicht mal gewünscht. Hätten uns nicht getraut. Aber Gott ist nicht kleinlich. Niemals. Vor allem dann nicht, wenn´s um seine herzallerliebsten Kinder geht. Um uns!

 

(Jürgen Werth aus WeihnachtsWunder Geschichten v. Brunnen-Verlag)