Im Gef(l)echt von Beziehungen – Erlebnisbericht aus einem Leiterkurs in der Schweiz

Meine Freundin erzählte mir, dass sie und ihr Mann an einem Kurs von Stufen des Lebens teilnehmen werden. Bis dahin hatte ich nie von Stufen des Lebens gehört. Und so erklärte sie mir, dass in diesen Kursen biblische Texte und Themen mit Bodenbildern, Inputs und Austausch behandelt würden. Diesmal sei das Thema “Im Gef(l)echt von Beziehungen” wo es um Saul und David ginge. Mein Interesse war geweckt. Und da ich blind bin, versprach mir meine Freundin, dass sie mir jeweils die Bodenbilder erklären würde. So kam es, dass ich am 16. März 2012 in Begleitung meines Blindenführhundes Ecco ins Bibelheim Männedorf reiste und am entsprechenden Leiterkurs teilnahm.

In der ersten von vier Kurseinheiten ging es um das Beziehungsgeflecht im Königshaus von Saul und David. Zwar kannte ich den Namen einiger bekannter Personen und wie sie zu Saul respektiv David standen. Doch es wurde mir wohl zum ersten Mal richtig bewusst, dass es zwischen ihnen nicht einfach lockere Verbindungen, sondern ein ganzes Beziehungsnetz gab. Sicher, sie lebten an einem anderen Ort, in einer anderen Kultur in einer anderen Zeit, mit anderen Umständen. Trotzdem lebten sie, wie ich, in einem Geflecht, und manchmal auch Gefecht, von Beziehungen.

In zwei weiteren Einheiten konzentrierten wir uns auf die Beziehung von Saul und Jonathan mit David. Zwei Beziehungen zu ein und derselben Person, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Feindschaft von König Saul und Freundschaft von seinem Sohn Jonathan. Was hatte wohl zu diesen unterschiedlichen Beziehungen geführt und wie wurden sie von den Betroffenen erlebt? Mögliche Antworten waren zum Beispiel Angst, Eifersucht, Liebe, Vertrauen und Fähigkeiten. In alldem spielt aber, damals wie heute, die persönliche Beziehung zu Gott und seinem Wort eine zentrale Rolle. Denn sie hat direkte Auswirkungen auf alle anderen Beziehungen.

In einer weiteren Kurseinheit ging es um den Text in 1. Samuel 17: David und Goliath. Zwar ist dies bestimmt eine der bekanntesten biblischen Geschichten. Doch einerseits ist Gottes Wort lebendig, ewig und unerschöpflich. Kein Wunder also, dass es da immer wieder etwas neues zu entdecken und erleben gibt! Und andererseits kann es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Wir taten dies gemäss unserem Thema im Blick auf das Gef(l)echt der Beziehungen: beispielsweise die feindschaftliche und lebensbedrohliche Beziehung zwischen den Philistern und dem Volk Israel und die angespannte, aber familiäre Beziehung zwischen David, dem jungen Hirtenknaben, und seinen kampferprobten Brüdern.

Auf den ersten Blick scheinen diese Beziehungsgef(l)echte rein menschlicher Natur zu sein. Doch wie bereits oben erwähnt hängen alle unsere Beziehungen von jener zu Gott ab. Dies ist hier deutlich erkennbar: Saul und seine Soldaten, inklusiv die drei ältesten Brüder von David, sind zwar Teil von Israel, dem Volk Gottes. Doch scheinen sie keine persönliche und lebendige Beziehung zu Gott zu haben. Zumindest scheint sie keine Rolle in ihrem Alltag zu spielen. Entsetzen, Angst und Blockierung sind die Folge. Der Riese Goliath beruft sich, wie seine heidnischen Mitkämpfer, auf seine Waffen und sein eigenes Können. Dies führte schliesslich zu Selbstüberschätzung, Spott, Hohn und ihrem Tod. Und David? Er war bekannt für seine persönliche Vertrauensbeziehung zu Gott. Seine Lieder, die uns bis heute in Form von Psalmen erhalten geblieben sind, zeugen davon. Sicher, David hatte nicht immer eine weisse Weste und immer wieder mal “Dreck am Stecken”. Doch er bereute dies jeweils und seine Vertrauensbeziehung in Gott war so tief, dass er um dessen Vergebung wusste. Dies stärkte und vertiefte seine Gottesbeziehung. Tiefes Vertrauen in Gott, in seine Fürsorge und sein Eingreifen, sowie Sieg und Leben waren die Folge.

Davids Gottesvertrauen hielt der drohenden Gefahr durch Goliath und den Anfeindungen seiner eigenen Brüder stand. Sicher, er kämpfte auch mit menschlichen Waffen: Stab und Schleuder. Doch diese waren ihm, im Gegensatz zu Rüstung und Schwert vertraut, kampferprobt und David benutzte sie dennoch im Vertrauen zu Gott.

In diesem Seminarteil kam mir plötzlich auch folgender Gedanke: Schützte Gott sein Volk nicht auch während der 40 Tage bevor David kam (zermürbendes Auftreten von Goliath, das doch zu einer “Verzweiflungstat” hätte führen können. Darunter hätte nicht nur der entsprechende Soldat, sondern das ganze Volk Israel gelitten, da nicht nur der entsprechende Kämpfer, sondern auch sein ganzes Volk vom Feind besiegt worden wäre). Gottes Schutz war somit wohl auch beim Volk Israel, indem kein Soldat sich zu einem verheerenden Zweikampf mit dem Riesen eingelassen hatte, obwohl es dies nicht gespürt hat. Dies gilt sicherlich auch oft für mich.

Wie anfangs erwähnt, wurden die einzelnen Einheiten von Bodenbildern begleitet. Diese bestanden meist aus Schachteln, farbigen Seilen und Tüchern. Wie versprochen wurden sie mir von meiner Freundin, wie auch von den anderen Kursteilnehmern beschrieben. Gleichzeitig gab es nebst verschiedenen Inputs auch ganz gezielte Fragen zu den einzelnen Personen (Saul, David, Jonathan), was sie sie mir viel näher brachte. Und obwohl ich eigentlich eher Mühe habe, mich aus einer Gruppe heraus zu Wort zu melden, so war ich irgendwie so tief im Kurs drin, dass ich mich auch mehrmals meldete.

Der Kurs von Stufen des Lebens ist eine kreative Art, einem die Bibel näher zu bringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man wenig oder grosse Bibelkenntnisse hat. Ich kann diesen Kurs allen wärmstens empfehlen.

Seit diesem Kurs sind schon mehrere Monate vergangen. Und glücklicherweise ist dabei mehr als nur gute Erinnerungen an ein spannendes Wochenende mit interessanten Entdeckungen hängen geblieben. Gleich am Anschluss an den Kurs habe ich mich mit den zwei Samuel- und Königsbücher beschäftigt und mich dabei, wie im Kurs, aufs Beziehungsgef(l)echt konzentriert. Bereits mir gut bekannte Gegebenheiten bekamen einen neuen Aspekt, und bisher Unbemerktes bekam Bedeutung. Es waren auf einmal nicht mehr einzelne Namen und Funktionsträger, sondern das Beziehungsnetz wurde deutlicher. Dadurch rückte alles näher zu meinem Alltag. Und während ich dies schreibe, werde ich erneut von Davids Erleben im Zusammenhang mit Goliath ermutigt. Ja, wir haben einfach einen starken, allmächtigen und fürsorglichen Gott! Ihm sei alle Ehre und Dank! Lasst uns Ihn und Sein Wort immer besser kennen lernen!