Typisch Stufen

Was für Stufen des Lebens typisch ist

Mit Hilfe von Bodenbildern, um welche die Teilnehmer/-innen im Kreis sitzen, wird Glaube und Leben entfaltet. Die Veranschaulichung biblischer Geschichten mit Dingen des Alltags regt zu Assoziationen an und bringt die eigene Lebensgeschichte ins Spiel.

Wie es zu den Bodenbildern kam

Einzelheiten zu den Bodenbildern erzählt die Initiatorin Frau Waltraud Mäschle (1999 verstorben).

“Da ich in der Hauptschule bis 1982 Schüler/-innen der achten und neunten Klasse unterrichten musste, war es mir ein Anliegen, eine Form zu finden, mit dieser Altersstufe biblische Geschichten erarbeiten zu können. Jede/r, die/der in der Hauptschule unterrichtet hat, weiß, dass Hauptschüler auf einer anderen Ebene als nur der sprachlichen angesprochen werden müssen. So habe ich versucht, aus Karton Symbole zu gestalten, um die Schüler herauszulocken, sie zu motivieren, über diese Symbole Sprache zu finden.

Waltraud Mäschle Autorin und Initiatorin des Reli für Erwachsene (+ 5.12.1999)

Bei der Geschichte vom Sündenfall hatte ich ein sehr schönes Erlebnis. Ich hatte als Symbol einen Baum auf einem großen Karton auf dem Boden liegen. Wir saßen im Kreis und alles, was in der Geschichte vorkam, war in Symbolform vorbereitet. Mit diesen Symbolen haben wir spielerisch die Geschichte miteinander erlebt und gestaltet. Es war eine Sternstunde, als die Schüler alles erarbeitet hatten, was man aus der Geschichte herausarbeiten konnte. Sie selber waren ganz stolz, was in dieser Stunde alles geschehen war, wie sie selbst an diesem Erleben beteiligt waren.

Für mich war dies ein Aha-Erlebnis: außer unserem Wort gibt es noch andere Arten des Gesprächs! Ich habe mich dieser Arbeitsweise gestellt und sehr gute Erfahrungen mit meinen Schüler/-innen der achten und neunten Klasse gemacht. Ich gab die Möglichkeit, dass diese Symbole von den Schülern angeordnet, zugeordnet, umgedreht, durchgebrochen, aufgerissen oder zerrissen werden konnten. Dabei merkten die Schüler, daß in der Geschichte ganz verschiedene Möglichkeiten stecken. Sie kamen zu ihrer eigenen Erfahrungswelt, und es wurde auf einmal ihre Geschichte.
Als ich dann mit dem Religionsunterricht für Erwachsene anfing, habe ich das zunächst sehr zaghaft eingesetzt. Erst im Laufe der Zeit habe ich riskiert, den Tisch wegzustellen und die Erwachsenen herauszufordern, auf dem Boden zu arbeiten. Das war am Anfang ein Befremden, weil der Schutz des Tisches fehlte. Die natürliche, übliche Sicherheit war weggenommen. Ich riskierte dies erstmals in dem Gleichnis vom 4-fachen Ackerfeld zum Thema “Dem Leben auf der Spur”.

Auf dem Boden symbolisierte ich ein großes Ackerfeld mit all den Naturmaterialien, die im Gleichnis vorkommen.

Bodenbild zum Vaterunser

Dieses Bild gab den Anwesenden die Möglichkeit, eigene Sprache zu finden und in das Gespräch einzutreten. Ich habe erfahren, dass es den Erwachsenen oft schwerer fällt, sich mitzuteilen, als den Schülern und dass manche seit vielen Jahren nicht mehr gewohnt waren, sich öffentlich zu äußern. Dafür waren aber immer einige in der Runde, die das mit Vorliebe taten. So lockte das Bild alle auf dem Hintergrund ihres Erfahrungsbereiches in gleicher Weise heraus und es gab damals große Aha-Erlebnisse.

 

 

Waltraud Mäschle Autorin und Initiatorin des Reli für Erwachsene (+ 5.12.1999)

Ab diesem Zeitpunkt habe ich in der Kurskonzeption nur noch mit Wort und Bild gearbeitet. Es war nicht das gemalte, sondern das auf dem Boden entworfene Bild aus den verschiedensten Materialien, die einen Bezug zum Text und zu dem, was erarbeitet werden soll, haben.

Sehr wichtig ist mir, dass ich Materialien benütze, die die Teilnehmer/-innen in ihrem Alltagsgeschehen wieder in die Hand nehmen können, so dass die Worte, die sie im Kurs hören, wie von alleine freigesetzt und der innere Dialog zu Hause weitergeführt werden kann. Z.B. hatte ich beim Vaterunser einen großen Weidenkorb, der nicht fertig geflochten war. Von diesem Bodengeflecht des Korbes sind wir weitergegangen ins Vaterunser. Es war beeindruckend, wie viele Gespräche – auch anschließende Seelsorgegespräche – dieses Bild ausgelöst hat. Ein Boden, der nicht zum Korb weitergeflochten wurde, der irgendwann einmal “hängen geblieben” war. Hängen geblieben sein, steckengeblieben sein, nicht fertig geworden sein, den Mut verloren haben, auf die Seite gelegt werden – all diese Erfahrungen aus den Seelsorgegesprächen haben mich ermutigt, in diesem Stil weiterzumachen.

Bodenbild zum "Vierfachen Ackerfeld"

Ich verstehe nur allzu gut, warum Jesus in Bildern und Gleichnissen erzählte – er wollte nicht bei den alten Festlegungen seiner Zuhörer hängen bleiben. Er wollte Neues schaffen – tiefer treffen, klarer sichten. Er wollte unsere Bilder mit den seinen in Beziehung bringen und so lebensverändernd wirken.
Das wünsche ich, dass die Bodenbilder in unserem Reli keine Methode sind, sondern zusammen mit dem biblischen Wort unser Denken und Sprechen durchdringen und eine Lebensveränderung, eine Lebensbewegung in unserem Miteinander auslösen.”