Reliphon

Wo geht’s lang, wer gibt mir Orientierung? ()

Traudel Krause, 8. Januar 2018
Teil der Reliphon Serie, gehalten als Reliphon

Reliphon 8.1.2018
Wo geht’s lang, wer gibt mir Orientierung?
Beim Auszug aus dem vergangenen Jahr und an der Schwelle zum Jahr 2018 hat mich der Text 2.Mose 13,20-22 elektrisiert. Kaum aus Ägypten raus, muss das Volk Israel durch die Wüste wandern. Da gibt’s keine Straßenschilder oder Entscheidungshilfen, keine Orientierung. Aber es heißt: „Der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und Nacht wandern konnten.“
OK, Traudel, dann mach dir keine Sorgen, wie Du entscheiden sollst im neuen Jahr! Gott führt!
Als ich soweit bin mit meinen Gedanken, fällt mir ein Text von Henry Nouven in die Hände. Er lebte von 1932 bis 1996, war Psychologieprofessor, entschied sich aber später zu einem gemeinsamen Leben mit Behinderten.
In der Geschichte wird beschrieben, wie er derart fasziniert war von den Trapezkünstlern beim Zirkus, dass er sogar eine Zeitlang beim Zirkus mit lebte und sich selbst ans Trapez wagte…..Zehn Wochen vor seinem Tod und er, Henry, der Unsportliche mit den 2 linken Händen……
Man half ihm ins Netz und zeigte ihm dann, wie er die lange Leiter zum Podest, das in beängstigender Höhe über ihm war hinaufklettern musste. Er schreibt: „ Sie reichten mir die Schaukelstange. Beim Blick in die Tiefe, nach oben , nach links und rechts stockte mir der Atem. Ich hielt die Stange mit beiden Händen, zweifelte aber, ob ich mein ganzes Gewicht daran werde halten können. Sie gaben mir einen Stoß und schon schwang ich über dem Netz ein paar Mal hin und her.“
Die Vorführungen der Trapezkünstler berührten etwas tief in Henry. Sie machten ihm unüberbietbar klar, was Leben heißt: Fallen und Aufstehen. Den Sprung riskieren und aufgefangen werden. Vertrauen, sich aufeinander verlassen können. Die Trapezkünstler erklärten ihm, worauf es bei den gefährlichen Auftritten ankommt:„Nun“, sagte einer der Trapezkünstler, „das Geheimnis besteht darin, dass der Flieger nichts tut und der Fänger alles. Wenn ich auf Joe zufliege, muss ich bloß meine Arme und Hände ausstrecken und darauf warten, dass er mich packt und sicher auf die Rampe zurücksetzt..“
„Und Sie tun nichts dabei?“ erwiderte ich überrascht.“ Nein, nichts. Ein Flieger soll nichts als fliegen, ein Fänger nichts als auffangen. Und der Flieger muss mit ausgestreckten Armen völlig darauf vertrauen, dass sein Fänger im richtigen Augenblick nach ihm greift.“
Das heißt doch am Beginn des neuen Jahres:
Hab keine Angst. Denk daran, du bist Gottes geliebtes Kind. Er wird zur Stelle sein, wenn du den Sprung machst. Vertrau, vertrau, vertrau!
Das Wort Orientierung kommt her von der Ausrichtung der Kirchen nach Osten, Richtung Sonnenaufgang. Da wo die Sonne aufgeht, da wo der Auferstandene ist, dahin zu schauen, und auf ihn völlig zu vertrauen, das ist Orientierung.
So wünsche ich Euch Mut, auf den Fänger zu vertrauen und grüße Euch herzlich
Eure Traudel Krause

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