Erfahrungen mit Kursen und Teilnehmern mit Migrationshintergrund

Den Vaterunser-Kurs in der Christuskirchen-Gemeinde in Aschaffenburg:

An 5 Abenden hatten wir meist über 20 Teilnehmer. Interessant war, dass etliche Teilnehmer gar nicht aus der Gemeinde selbst kamen, sondern sich aus umliegenden Gemeinden hatten einladen lassen. Ebenso interessant war, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer Migrationshintergrund besaßen. Neben Russland-Deutschen beteiligten sich auch Syrer und Perser, Christen mit ursprünglich islamischen Wurzeln.

Genau diese Teilnehmer fielen durch geistlichen Hunger und aktive Beteiligung auf. Ein Teilnehmer beeindruckte mich durch seine mit Buntstiften bearbeitete Bibel. Alles, was ihm wichtig war, hatte er in verschiedenen Farben unterstrichen. Ein Ehepaar, er aus dem Nahost-Gebiet und dort Diakon einer christlichen Kirche, hatte vorher das Vaterunser auf Deutsch auswendig gelernt und beide sagten es vor Kursbeginn auf! Es war eine Freude zu sehen, mit welchem Eifer sie dabei waren, sie nahmen alle auch regelmäßig teil.

Normalerweise löst beim Vaterunser die 3. Bitte („DEIN Wille geschehe“) die heftigsten Diskussionen auslöst. Das war bei den Menschen aus Nahost gar kein Thema. Sie stellten alle ihre Schilder um die 2. Bitte („DEIN Reich komme!“), um auszudrücken, was ihnen besonders wichtig ist und sie anspricht. Das hat mich zutiefst berührt! Das hat mir gezeigt, dass deren Teilnahme nicht nur aus taktischen Gründen geschieht (um nicht abgeschoben zu werden), sondern, dass hier etwas im Herzen gewachsen ist, die Sehnsucht nach dem Dreieinigen Gott echt ist. Etliche hatten sich bereits taufen lassen.

Als ich die Senfkörner herum reichte, kam gleich in der Pause ein Teilnehmer auf mich zu, zeigte mir auf dem Handy einen Jesus-Film, den er in seiner Muttersprache geladen hatte, bei dem Jesus und das Gleichnis vom Sämann gezeigt wird. Er hatte es kapiert: Samenkorn = Wort.

An einem Abend haben uns 2 Teilnehmer auf der Gitarre ein Loblied vorgespielt und ein Mädchen spielte uns ein Klavierstück. Wir hatten über die Kurs-Wochen auch etliche Bücher zum Thema „Vaterunser“ zum Ausleihen aufgelegt und angeboten. Auch davon wurde von den Teilnehmern reichlich Gebrauch gemacht. (Kleiner Katechismus von Luther, Johannes Kuhn, H. Thielicke).

Es war ja auch sprachlich eine Herausforderung. Unsere anfänglichen Überlegungen waren: Wie gut werden sie uns verstehen? Das ging besser, als erwartet. Auch haben wir alles nochmals aus der Perspektive eines Menschen durchdacht, der nicht im christlichen Umfeld aufgewachsen ist. Dabei musste noch manches weiter ausgeführt werden. Eine weitere Besonderheit dieser Gruppe war, dass wir das Vaterunser in fünf verschiedenen Sprachen beten konnten. Das hat uns etwas von der Größe und Weite von Gottes Reich ahnen lassen!

Dieser Kurs hat uns besonders viel Freude bereitet auch wenn wir einmal auf dem Heimweg auf der A3 nach Mitternacht im Stau standen! Nun hoffen und beten wir sehr, im neuen Jahr wieder dort sein zu dürfen …

S. Richter,